Sprachen

 

SPRACHFAMILIEN
 

Trotz gleicher bzw. ähnlicher Kulturen bildeten die Stämme eines Kulturareals keine sprachliche Einheit. Sie redeten mit verschiedenen Zungen, in unterschiedlichen Sprachen und Dialekten.

Dialekte sind Ausprägungen einer Sprache, die Unterschiede in Aussprache, Grammatik und Wortschatz aufweisen. Diese Unterschiede können so gering sein, dass sich die Sprecher verschiedener Dialekte untereinander verstehen können; sie können aber auch so stark sein, dass eine Verständigung kaum oder nicht möglich ist. Anhand von Übereinstimmungen im Grundwortschatz, in der Syntax (Satzbau) und in der Morphologie (Formenlehre) lassen sich einzelne Sprachen jeweils einer größeren Sprachfamilie zuordnen – in den meisten Fällen jedenfalls. Jede Sprachfamilie geht auf eine Grundsprache zurück, aus der sich die einzelnen, ihr zugehörenden Sprachen entwickelt haben. Die Apachen im Süden der USA gehören z. B. zur Sprachfamilie der Athapasken, ebenso wie die Slavey in den Northwest Territories. Innerhalb einer Sprachfamilie können die Sprachen so ähnlich wie die romanischen Sprachen untereinander sein. Sie können sich aber auch im Laufe einiger tausend Jahre so weit auseinander entwickelt haben, dass sie kaum noch auf eine gemeinsame Grundsprache zurückzuführen sind.

Bei den noch gesprochenen Indianersprachen ist es manchmal schwierig, eine saubere Trennung zwischen Dialekten und Sprachen zu ziehen und diese einer Sprachfamilie zuzuordnen. Einerseits sind viele Indianersprachen, die möglicherweise Bindeglieder gewesen waren, durch die Bevölkerungsverluste nach Ankunft der Europäer sowie durch sprachliche Assimilationen ausgestorben oder nur noch wenigen Personen geläufig. In der Sprache der Huronen im Südosten z. B. gibt es zwar Texte, welche Missionare verfasst haben. Wie sie ausgesprochen wurden, wie die Sprache klang, weiß heute niemand mehr. Die Sprache der Haida an der Pazifikküste kennt heute nur noch eine Hand voll älterer Menschen. In British Columbia haben von vermutlich 50 Indianersprachen vor Ankunft des weißen Mannes 30 überlebt.

Andererseits entstanden durch Sprachübernahmen in prähistorischer Zeit (also vor Ankunft der Europäer) Mischsprachen, in welchen ursprüngliche Sprachgewohnheiten wie Lautbildung und Satzbau beibehalten wurden. Wenn keine oder nur spärliche mündliche Überlieferungen zur Sprachübernahme vorhanden sind, kann eine Mischsprache Generationen von Sprachforschern in die Irre führen.

Die Gliederung der Indianerstämme nach Sprachfamilien lässt prähistorische Wanderbewegungen erahnen und historische nachverfolgen. Aber auch sie ist kein vollkommenes Einteilungsprinzip. Letztlich ist es also egal, wie man vorgeht.

Tabelle 2: Zuordnung von Stämmen zu Sprachfamilien

 

Sprachfamilie

Stämme, Völker, Ethnien

Algonkin

Abenaki (Maliseet, Passamaquoddy, Penobscot, Sokoki), Algonquin, Attikamek, Blackfoot Confederacy (Kainai, Pikuni, Siksika), Cree, Gros Ventre, Innu (Montagnais, Naskapi), Micmac, Nipissing, Ojibwa, Ottawa

Athapasken

Beaver, Carrier, Chilcotin, Chipewyan, Dogrib, Han, Kutchin, Nahane, Sarcee, Sekani, Slavey, Tahltan, Tlingit, Tutchone

Irokesen

Huronen (Wendat und Wyandot), Irokesenbund (Cayuga, Mohawk, Oneida, Onondaga, Seneca sowie Mingo und Caughnawa), (Erie, Neutrals, Susquehannock, Tionontati, Tuscarora, Wenro)

Penuti

Gitksan, Nishka, Tsimshian

Salish

Bella Coola, Homalco, Klahoose, K´omoks Lillooet, Musqueam, Nlaka´pamux, Okanagan, Shuswap, Sliammon, Straits Salish, Sechelt, Squamish, Tsleil-Waututh

Sioux

Dakota, Nakoda (Assiniboin, Stoney)

Wakash

Haisla, Heiltsuk, Kwakiutl, Nootka

Sondergruppen

Haida, Kootenay, Oweekeno sowie Métis

  

 

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