Sondergruppen

 

SONDERGRUPPEN

Awikinuxw (´Uikála, Oweekeno)

280 Personen16 am Owikeno Lake bei Rivers Inlet zwischen den Nuxalk (Salish-Sprachfamilie) im Norden und den Kwakiutl (Wakash-Sprachfamilie) im Süden. Sie bilden zusammen mit der Abteilung Kitasoo (Klemtu) von den Tsimshian (Penuti-Sprachfamlie) und den Nuxalk (Salish-Sprachfamlie) einen gemeinsamen Stammesrat.

Haida

(oft auch als eigener Zweig der Athapasken-Sprachfamilie zugeordnet) Verbreitet auf Haida Gwaii (Queen Charlotte Islands) in British Columbia mit ca. 4550 registrierten Personen16 und mit ca. 4450 Personen16 auf dem Prince Wales Archipel nördlich davon in Südalaska. Im frühen 19. Jahrhundert waren Gruppen der Haida von Haida Gwaii auf die Inseln im Norden abgewandert und hatten sich dort gegen die Tlingit durchgesetzt. Gründe mögen eine Überbevölkerung auf Haida Gwaii oder der Wunsch gewesen sein, besseren Zugang zum russischen Handelsposten in Wrangell zu haben. Nach der Trennung entwickelten sich die Dialekte der Haida Gwaii im Süden und der Kaigani Haida im Norden zu zwei sehr unterschiedlichen Hauptdialekten auseinander. Nur noch wenige Personen über 70 Jahre beherrschen das „Xaatdas“, die Sprache der Haida.2

Die traditionelle Kultur der Haida war eine typische Nordwestküstenkultur gewesen. Sie galten als die besten Kanubauer der Nordwestküste. Mit ihren seetüchtigen Booten hatten sie Sklavenjagd bis an die Küste Kaliforniens betrieben.

Die beiden Hauptklane der Haida, in denen jeweils alle anderen Klane münden, sind Adler und Rabe.

Ktunaxa (Kootenay, Kutenai)
Die Sprache der Kootenay lässt sich keiner größeren Sprachfamilie zuordnen. In ihrem Kerngebiet westlich der pazifischen Wasserscheide in den Rocky Mountains, auf dem kanadischen Plateau am Fraser River im Süden von British Columbia bis zum Plateaus des Columbia River im nördlichen Idaho, führte der unterschiedliche Lebensraum zur Ausprägung von zwei unterschiedliche Kulturen. Die unteren Kootenay, südlich der Kootenay Fälle im heutigen nordwestlichen Montana, wohnten in Grashütten, trugen aus Binsen gewebte Kleidung und benutzten Birkenrindenkanus als Transportmittel. Dagegen hatten die
 
Skalsi´ulk, die oberen oder eigentlichen Kootenay, die nördlich davon bis zum Windermere Lake in British Columbia lebten, durch Kontakte über die Pässe mit den Prärieindianern viele Kulturelemente von den Prärievölkern östlich der Rocky Mountains übernommen: Sie waren abhängig von der Büffeljagd, hatten konische Felltipis, Hirschlederkleidung, Federschmuck und sie kannten den Sonnentanz. Im frühen 18. Jahrhundert waren die oberen Kootenay in den Besitz von Pferden gelangt. Das milde Klima ihres Gebiets bot günstigere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zucht als die offenen Prärien und die Kootenay konnten bald einen einträglichen Pferdehandel betreiben. Im Sommer machten die Kootenay mit Treiberketten oder Feuer Jagd auf Wapitis, im Spätsommer sowie im Frühjahr jagten sie Büffel in der Prärie. Da sie sich im Krieg mit den Blackfootstämmen Blood und Pikani befanden, mussten Unterhändler zuvor jedesmal einen Waffenstillstand vereinbaren. Es gibt viele Berichte über Scharmützel zwischen den Kootenay und den Pikani, bei denen das Kriegsglück wechselte.
 
Der erste Europäer, der mit den Kootenay in Kontakt gekommen war und ihre Lebensweise beschrieben hatte, war 1792 Peter Fidler gewesen, der eine Gruppe von Pikani in deren Jagdgründe begleitet hatte.
 
Ein Trupp der nördlichen Kootenay, die Tuna´xe (Michel Prairie Band), lebte östlich des Crowsnest Pass bis zum Waterton Lakes National Park in Alberta. Dieser Trupp jagte entlang der Vorberge und in der Prärie nach Norden bis Calgary und nach Osten bis zum Zusammenfluss von Oldman River und Bow River. Von dort wurden er jedoch von den Blackfootstämmen, vertrieben. Bei den Blackfootstämmen heißt der Waterton River: „wo wir die Kootenay bekämpften“. Informanten berichteten 1847 einem Missionar von einem Kampf südlich des Highwood River, bei dem die mit Gewehren gut ausgerüsteten Pikani die schlecht bewaffneten Kootenay vernichtend geschlagen hätten. Den Überlieferungen der Kootenay nach löschte eine Pockenepidemie die Tuna´xe aus.
 
Ihre Felle brachten die Kootenay bis zum Rocky Mountain House im Norden – wobei sie auf ihrem Weg gelegentlich auch die Jagdgründe der Stoney im Banff National Park streiften, im Osten suchten sie noch 1875 Fort Macleod auf.

1824 hatten römisch-katholische Missionare mit großem Erfolg unter den Kootenay zu wirken begonnen. Bis 1859 bekannten sich alle Kootenay zum römischkatholischen Glauben.

Als 1860 Goldsucher in das Gebiet der Kootenay vordrangen, schloss die Regierung einen Vertrag mit den Kootenay und sprach ihnen in der Gegend von Cranbrook am St. Mary River, bei Chreston am unteren Kootenay River sowie am Columbia Lake insgesamt 13 Reservate zu, in denen 1200 Personen registriert sind.16 Als Siedler 1887 die Reservatgrenzen verletzten, sorgte die North West Mounted Police für Recht und Ordnung. Mit der Zeit nahmen die Kootenay die Lebensweise der weißen Siedler an.

Métis

Ursprünglich war „Métis“ (Mestize, Mischling) in der französischen Kolonie Kanada (heute Québec und Ontario) eine Bezeichnung für Mischlinge von französischen (und gelegentlich auch schottischen) Vätern und indianischen Müttern, vorwiegend von den Cree. Später übertrug man die Bezeichnung auch auf englisch-indianische Mischlinge, auf die sogenannten Anglo-Métis, um das Wort „Halbblut“ zu vermeiden. Heute definiert der „Métis National Council“, der die Belange der Métis in Kanada vertritt, einen Métis als eine Person, die sich selbst als Métis identifiziert, sich auf Vorfahren der Métis Nation zurückführt und von der Métis Nation als Mitglied anerkannt wird.

Als Kundschafter und Frachtleute hatten besonders die „Franco-Métis“ zur Erforschung des Westens beigetragen. Für die neu erschlossenen Gebiete (1679 Manitoba, 1766 Saskatchewan, 1799 Alberta) von der North West Company mit Sitz in Montreal als Fallensteller unter Vertrag genommen, blieben viele von ihnen nach Ablauf des Vertrags als Trapper in den neuen Gebieten oder übernahmen die Leitung von Handelsposten der 1821 in die Hudson´s Bay Company aufgegangenen North West Company.

Unter den Métis entstand eine halb indianische, halb europäische Mischkultur aus Jagd- und Agrargesellschaft, die bald zu einem eigenen Identitätsbewusstsein führte. Die überwiegende Mehrheit von ihnen bekennt sich zum römischkatholischen Glauben. Sie sprechen Französisch sowie „Mishif“, eine Mischsprache aus Französisch und der Cree-Sprache, in welcher das Sysstem der Substantive (Nominalsystem) dem Französischen und das System der Verben (Verbalsystem) dem Cree folgt.

Als ihre Zahl im Osten Kanadas zunahm, siedelte sich eine größere Anzahl von Métis um St. Boniface bei Winnipeg an. 1867 schätzte man die Zahl der Métis auf etwa 10.000 Personen. Der Zensus von 2011 ermittelte 452.000 Métis, von denen 21,4 % in Alberta, 19,0 % in Ontario und 17,0 % in Manitoba lebten.2

Der kanadischen Verfassung nach gelten die Métis neben den „First Nations“ und den Inuit als Ureinwohner des Landes. Die Indianerverträge hatten die jeweils im Gebiet lebenden Métis mit eingeschlossen, und wie die Indianer haben die Métis für den Eigenbedarf freies Jagd- und Fischrecht auf Kronland. Nach einem Gerichtsurteil 2005 in Saskatchewan bezieht sich dieses Recht auf die gesamte Region, in der die Geburtsgemeinde eines Métis liegt, unabhängig davon, ob er noch seinen permanenten Wohnsitz in der Ursprungsgemeinde hat. Als Begründung verwies der Richter auf die traditionelle Arbeitsmobilität der Métis.

Der Aufstand unter Riel

Der Métis Louis Riel hatte 1844 in St. Boniface das Licht der Welt erblickt. 1869 führte er einen Aufstand der Métis gegen die Regierung an. Der Aufstand war ein Protest gegen den Regierungsbeschluss, das als Teil der Northwest Territories von der Hudson´s Bay Company erworbene Gebiet von Manitoba zu besiedeln. Die Métis sahen darin eine Beschneidung ihrer Landrechte. Im Hintergrund mag vielleicht auch die Furcht gestanden haben, assimiliert zu werden. Im „Red River Aufstand“ nahmen die Métis Upper Fort Garry ein, mussten aber bald Regierungstruppen weichen. Die Regierung beschwichtigte die Métis mit Landzuweisungen von 160 Acres (64,7 ha) pro Familie bzw. 240 $ zum Erwerb von Land und erhob 1870 Manitoba zur Provinz. Riel selbst blieb für die Regierung ein „bad guy“. Als ihn seine Anhänger ins Parlament wählten; durfte er sein Mandat nicht antreten.

Die nächsten Jahre verbrachte Riel offenbar in Montana im Exil, wo er sich vom Stress persönlicher Verfolgungen und politischer Machenschaften erholte. 1884 kehrte er zurück und führte 1885 einen weiteren Aufstand der Métis in Saskatchewan an. Hierhin waren Métis in der Hoffnung auf größere Autonomie geflohen, wo Batoche nördlich von Saskatoon am South Saskatchewan ihr neues Zentrum und 1885 Sitz einer provisorischen Métis-Regierung  geworden war. Die Métis verloren die Schlacht bei Batoche, Riel kapitulierte. Nach einem dramatischen Verfahren verurteilte ihn ein Gericht in Regina wegen „Verrats“ zum Tode und ließ ihn hängen – ein Akt, der die Vorbehalte und den Ärger der Franzosen in Kanada gegen die Briten schürte und bis heute nicht vergessen ist. Freunde schafften den Leichnam von Riel zum Haus seiner Mutter in Winnipeg. Riel wurde später in St. Boniface beigesetzt. Das um 1880/1881 gebaute Haus seiner Mutter hat man einschließlich Möblierung wieder hergerichtet. Riel gilt als Vater der Provinz Manitoba.

  

Traditionelle Kleidung eines Métis (Rocky Mountain House Museum/Alberta (2005).

 

Quellen

  

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