Sioux

SIOUX- SPRACHFAMILIE
Innerhalb dieser Gruppe bilden die Dialekte der Dakota, Lakota und der Nakota (Assiniboin/Stoney) eine gemeinsame Sprache.
 
Dakota
Wie auch andere Indianerstämme litten die Dakota unter der Pockenepidemie von 1800. Die Indianerkriege in den USA unter den Häuptlingen Sitting Bull, Crazy Horse und Red Cloud dezimierten ihre Zahl. Anfang 1876 versuchte Sitting Bull, die nördlich der Dakota lebenden Blackfootstämme als Verbündete im Kampf gegen die US-Kavallerie zu gewinnen. Crowfoot, der Oberhäuptling der Blackfoot Confederacy, ließ sich auch nicht durch Drohungen einschüchtern und lehnte ab. Im Juni 1876 griff General Custer vom 7. US-Kavallerieregiment ein unerwartet großes Lager von Sioux, Cheyenne und Arpaho, zwei Stämmen der Algonkin-Sprachfamilie, am Little Big Horn River in Montana an. Die Indianer rieben das Regiment auf und töteten Custer. Um die Niederlage auszuwetzen, veranstaltete die US-Kavallerie eine unbarmherzige Treibjagd auf die Sioux. Die ersten Trupps der Dakota flohen nach Kanada und schlugen ihr Lager 160 km östlich von Fort Walsh im heutigen Saskatchewan auf. Weitere Trupps folgten, und im Frühjahr 1877 erschien Sitting Bull mit seinem unmittelbaren Gefolge beim Wood Mountain Post, einem kleinen Außenposten der North-West Mounted Police, ca. 350 km östlich von Fort Walsh, und – heute würde man sagen – er bat um Asyl. 1876/1878 waren mehr als 4.000 Dakota in den Südosten bzw. den Südwesten der heutigen kanadischen Provinzen Alberta und Saskatchewan in das Gebiet der Cypress Hills geströmt. Sitting Bull kehrte 1881 die USA zurück.

Heute leben ca. 5000 Dakota in Saskatchewan und Alberta; in den USA soll es in Nord- und Süddakota sowie in Montana 20.400 Dakota geben.5

Nakoda/Nakota (Assiniboin/Assiniboine, Assiniboine Nakoda)
Der Name Assiniboin ist von dem Ojibwa-Wort Assinipwat (Steinleute) abgeleitet. Ursprünglich eine Abteilung der Yanktonai-Dakota, hatten sie sich vor 1640 von ihrem Mutterstamm abgetrennt und waren an die Quellflüsse des Mississippi nordöstlich des Lake Superior gezogen. 1658 erwähnten Jesuiten Pater die Assiniboin als eigenständigen Stamm im Waldland nördlich des Lake Superior. Von den mit Gewehren ausgerüsteten Ojibwa bedrängt, zogen die Assiniboin in die Region des Lake Winnipeg. Verbündet mit den Cree und inzwischen mit Gewehren ausgerüstet, drangen die Assiniboin entlang des Flusssystems des Saskatchewan weiter nach Westen vor, wo sie sich zur größten Gruppe im Parkland und in den nördlichen Prärien von Manitoba bis Alberta entwickelten.

Anthony Henday, der erste Europäer, der 1754 das heutige Alberta bereiste, traf Trupps der Assiniboin entlang seiner gesamten Reiseroute an. Der letzte Trupp, dem er begegnete, hatte seine Jagdgründe nordwestlich der heutigen Stadt Inisfail (zwischen Edmonton und Calgary gelegen).

Eine Beschreibung aus dem Jahre 1811 listete elf Haupttrupps der Assiniboin auf, von denen die beiden westlichsten im Gebiet des heutigen Alberta anzutreffen waren
– die Swampy Grounds mit 30 Zelten im Waldland entlang des Pembina River nordwestlich von Edmonton, die gute Biberjäger waren und
– die Strong Woods mit 40 Zelten, die in den Ebenen am Battle River südöstlich von Edmonton vorwiegend von der Büffeljagd lebten. In den folgenden Jahrzehnten zogen die Strong Woods vom Battle River weiter nach Westen und jagten am Rande der Prärie entlang der Vorberge der Rocky Mountains bis zum Crowsnest Pass im Süden.

Um 1829 schätzte man die Zahl der Assiniboin auf insgesamt 8000-10.000 Personen. Einer Pockenepidemie 1836 fielen rund 40 % der Stammesbevölkerung zum Opfer. Die Seuche trieb viele Trupps der Assiniboin aus Saskatchewan nach Alberta sowie nach Süden in die USA, nur ein kleiner Teil verblieb im Gebiet der Provinz Saskatchewan. Reservate für die Assiniboin befinden sich in Saskatchewan bei Fort Qu´Appelle sowie östlich von Regina bei Wolseley. Realistisch dürften Zahlenangaben von ca. 5000 Assiniboin (ohne Stoney in Alberta) in Kanada5 und 5274 in den USA sein.10

Stoney (Stoney Nakoda)
In Alberta entwickelten sich die Assiniboin – hier als „Stoney“ bekannt – zu einer eigenen politischen Einheit. Um 1840 gab es in Alberta sechs separate Stoney-Trupps, von denen der südlichste Trupp der Bearspaw bis zum Crowsnest Pass und nördlich davon der Trupp der Chiniki am Bow River jagte. Sie waren auch in das Gebiet der heutigen Banff und Jaspers National Parks vorgedrungen und hatten dort 1840 die Snare-Indianer im Gebiet des Jasper National Park vernichtet. Noch weiter nördlich hatte ein Trupp der Strong Woods unter Führung von Sharphead seine Jagdgründe am Pigeon Lake und oberen Battle River südlich von Edmonton. Ein als Goodstoney bekannter Trupp lebte in den Waldbergen nordwestlich von Edmonton ausschließlich als Waldjäger. Zwei weitere Trupps jagten unterhalb des Saskatchewan zusammen mit den Cree. Die prärieorientierten Trupps standen in ständiger Fehde mit den Blackfootstämmen.

1840 hatte der erste methodisten Missionar von Fort Edmonton aus unter den Stoney in Alberta zu wirken begonnen. Im Gegensatz zur Mission bei den Blackfoot und Cree in der Prärie war die Mission unter den Stoney so erfolgreich, dass die Methodisten 1873 in Morleyville (Morley) am Bow River eine permanente Missionsstation für die drei südlichen Trupps (Bearspaw, Chiniki und Sharphead) errichteten.

Als die Regierung 1876 den Vertrag Nr. 6 mit den Indianerstämmen der Region aushandelte, nahmen die Bearspaw, Chiniki und Goodstoney nicht an den Verhandlungen teil. Die drei Trupps, die teilgenommen hatten, erhielten Reservate in ihren alten Jagdgebieten westlich bzw. südwestlich von Edmonton (Seuchen und Krankheiten dezimierten den Sharphead-Trupp der Strong Woods so stark, dass die Regierung 1890 sein Reservat auflöste und die wenigen Überlebenden in andere Reservate der Stoney zogen).

Als 1877 in Blackfoot Crossing der letzte Vertrag mit den Präriestämmen geschlossen wurde, unterzeichneten ihn die Häuptlinge der restlichen Stoney-Trupps im Namen ihrer insgesamt 509 Stammesmitglieder. Sie bekamen ein Reservat westlich von Calgary bei der Morleyville Mission zugesprochen. Ein Trupp der Bearspaw weigerte sich allerdings, in das Reservat zu ziehen und blieb am oberen Highwood River, auch wenn er dadurch die Regierungsunterstützung verlor. In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts richtete die Regierung das Eden Valley Reservat für diesen Trupp ein.

Dadurch, dass die Stoney von ihrem Jagdrecht auf Kronland außerhalb ihrer Reservate bis nach British Columbia hinein Gebrauch machten, waren sie weniger abhängig von den Zuwendungen durch die Indianeragenturen wie die Präriestämme nach der Ausrottung der Büffel. Ein Vertrag von 1892 beschränkte dann ihre Jagdrechte auf die Ostseite der Rocky Mountains. Im gleichen Jahr verließ ein Trupp der Goodstoney unter ihrem Anführer Peter Wesley das Reservat bei Morley und kehrte in sein traditionelles Jagdgebiet westlich von Rocky Mountain House zurück. Dort verblieben die Mitglieder des Trupps als Squatter, bis ihnen die Regierung 1947 das Bighorn Reservat im Gebiet übereignete. Erdöl- und Erdgasvorkommen brachten in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts vorübergehenden Wohlstand ins Reservat.

Allein im Bighorn Reservat lebten 1996 3425 Stoney.3 Zusammen mit der Bevölkerung der kleineren vier anderen Reservaten dürfte es heute über 5000 Stoney in Alberta geben.
 

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