Irokesen Sprachfamilie
Ein geschlossenes Verbreitungsgebiet der zu dieser Sprachfamilie gehörenden Stämme der Irokesen, der Huronen und Tionontati, der Erie, Neutrals und Wenro sowie der Susquehannock lag entlang des St. Lawrens Stroms, um den Lake Ontario und am Lake Erie. Im Norden reichte es bis zur Georgian Bay des Lake Huron und zum Lake Simcoe, im Süden bis in die Täler vom Hudson River und vom Susquehannock River. Zwei weitere Stämme, die Cherokee und die Tuscarora, lebten ursprünglich weiter südlich in North Carolina.

Der erste Weiße, der 1535 und erneut 1540/1541 mit Stämmen der irokesischen Sprachfamilie in Kontakt kam, war der französische Forschungsreisende Jacques Cartier. Er besuchte das Dorf Stadacona im Gebiet der heutigen Stadt Québec. Auf seinen beiden Fahrten den St. Lawrence aufwärts bis zum Dorf Hochelaga an der Einmündung des Ottawaflusses sichtete er mindestens elf befestigte Dörfer. Auf seiner zweiten Reise hatte Cartier übrigens den Häuptling von Stadacona an Bord genommen und ihn – wie schon zuvor dessen Söhne – nach Frankreich mitgenommen, wo der Häuptling und seine Söhne verstarben.

Als die Franzosen 1603 zurückkamen, hatten die als „Laurentian Iroquois“ (Lawrence-Irokesen) bezeichneten Bewohner ihre Dörfer am Strom aufgegeben und Montagnais sowie Algonquin lebten dort. Sowohl bei den Huronen (Arendahronon und Tahontaenrat) als auch bei den Irokesen (Mohawk) finden sich Überlieferungen über eine Abwanderung vom St. Lawrence.

Das bei den Stämmen der Irokesen-Sprachfamilie übliche Martern von Kriegsgefangenen und das Skalpieren vermittelten die Weißen anderen Indianerstämmen weiter im Westen. Über eventuelle psychologische Zusammenhänge zwischen Matriarchat und Marterpfahl scheint es keine Untersuchungen zu geben.
 

Haudanosaunee – „Menschen des langen Hauses“ (Iroquois, Six Nations, Irokesenbund)

Die Bezeichnung „Iroquois“ führt sich auf das Algonquinwort „Iroqu“ (Irinakhoiw – Klapperschlange) zurück, dem die Franzosen die Endung „-ois“ hinzufügten. Der Irokesenbund bestand aus fünf Stämmen, die südlich des Lake Ontario zwischen den Adirondack Mountains im Osten und den Niagarafällen im Westen lebten, und zwar den
 
Omundagaono (Onondaga, Hüter der Wampums und des heiligen Ratsfeuers),
 
Kanien´kéhaka (Mohawk, Hüter des Osttores),
 
Onayotekaono (Oneida, östlicher Stamm),
 
Guyohkohnyo (Cayuga, westlicher Stamm),
 
Onondowagah (Seneca, Hüter des Westtores).

Diese fünf Stämme hatten einen gemeinsamen Rat, der unter der Führung eines „Tadodaho“ aus 50 „Sachem“ (Sätschim – Herren, Friedenshäuptlingen) bestand. Abzeichen ihrer Würde war ein Hirschgeweih als Kopfputz. Den Tadodaho und 14 Sachem stellten die Onondaga, die Cayuga stellten zehn, Oneida und Mohawk je neun und die Seneca acht Ratsmitglieder. Der Bundesrat musste alle Entscheidungen einstimmig fällen. Bei den endlosen Reden zur Meinungsfindung spiegelte sich in den Anreden eine gewisse Hackordnung wieder. Oneida und Cayuga redeten die Mitglieder der anderen Stämme als „ältere Brüder“ bzw. „Onkel“ an, während Onondaga, Mohawk und Seneca sie als „jüngere Brüder“ bzw. Neffen bezeichneten.

Die „Verfassung“ des Bundes war auf 114 Wampums niedergelegt (Figuren und Muster aus weißen und violetten, zylindrisch geschliffenen Muschelperlen auf Bändern, die nur derjenige „lesen“ konnte, der sich ihre Bedeutung eingeprägt hatte). Die voreuropäische Bundesverfassung der Irokesen hatte die weißen Kolonisten so beeindruckt, dass sich Anklänge an sie in den Verfassungen einzelner Bundesstaaten der USA sowie in der Verfassung der USA wiederfinden.

Jeder Stamm war in mehrere Klane gegliedert, denen Klanmütter vorstanden. Die Klanmütter eines Stammes bestimmten die Vertreter des Stammes im Irokesenrat. Das Amt eines Sachem bestand auf Lebenszeit; bei Amtsunfähigkeit oder bei Verfehlungen konnten ihn die Klanmütter jedoch durch einen anderen Vertreter ersetzen. Ein Sachem lenkte die Geschicke seines Klans nur in Friedenszeiten zusammen mit dem Rat aller erwachsenen Männer des Klans. Auch auf dieser Ebene mussten Beschlüsse einstimmig gefasst werden. In Kriegszeiten gab es Kriegsanführer, die man auf Grund von Abstammung und Fähigkeiten aussuchte. Unnötig zu erwähnen, dass sie nicht auf einstimmige Beschlussfassungen ihrer Krieger angewiesen waren.

Durch die Abstammung mütterlicherseits gehörte jede Person einem Klan an. Möglichkeiten den Klan zu wechseln bestanden durch Adoption. Im 17. Jahrhundert integrierten die Irokesen so die Gefangenen besiegter anderer Stämme der irokesischen Sprachfamilie. Die Adoptierten blieben allerdings Irokesen „zweiter Klasse“ – sie hatten kein Mitspracherecht im Klanrat und konnten auch nicht zu Sachems ernannt werden. Unterworfene Stämme, die nicht der irokesischen Sprachfamilie angehörten, galten als Stämme der „Vertragskette“ (covenant chain). Sie bildeten eine Handels- und Kriegsunion mit den Irokesen, welche diese Stämme sowie Belange, die deren Territorium betrafen, gegenüber den Europäern vertraten.

Ihrer Überlieferung nach waren die Irokesen einmal ein großer Stamm gewesen, der am St. Lawrence unter der Botmäßigkeit des Algonkinstammes Adirondack gestanden hatte. Um der Botmäßigkeit zu entgehen, zogen die Irokesen vom Strom nach Süden in den Nordwesten des heutigen Staates New York, wo sie sich in kleinere Stämme und Dörfer aufteilten (zwischen 1542 und 1603 waren die Lawrence-Irokesen vom St. Lawrence abgewandert). Wann der Irokesenbund entstand, ist nicht eindeutig belegt. Allgemein gilt das Jahr 1570 als Gründungsdatum. Der Seher Deganawida (ein Hurone) hatte die Vision, die ständigen Kriege und Blutrachefehden der Stämme südlich des Lake Ontario durch einen „großen Frieden“ zu beenden. Er fand Unterstützung durch Hiawatha (Ayawentha), einem Onondaga, der Kriegshäuptling bei den Mohawk geworden war. Der Legende nach pflanzte Deganawida eine Kiefer, unter der die verfeindeten Stämme ihre gegeneinander gerichteten Kriegswaffen – „das Kriegsbeil“ – begruben. Als Wächter über die Einhaltung des Friedens kreiste ein Adler über der Kiefer. Mit der Wahl des Weißkopfadlers zum Wappentier knüpften die US-Amerikaner an diese Vorstellung an.

Der „große Frieden“ des Hiawatha bezog sich nur auf die Beziehungen der Irokesen des Bundes untereinander. Nach außen war es ein Bündnis des „großen Kriegs“ gegen jeden Stamm und jedes Volk, das Streit mit den Irokesen hatte. In den ersten 130 Jahren des Bundes gab es nur wenige Stämme im Osten, die einen Streit mit den Irokesen vermeiden konnten.

Die „Biberkriege“ des Irokesenbundes (1630-1701)
Die Anwesenheit rivalisierender europäischer Mächte in Nordamerika und ihre Leidenschaft für edle Pelze lösten bei den Indianern Expansionskriege aus. Während in Europa der Dreißigjährige Krieg wütete, tobten an den großen Seen – mit gewissen Zeitverschiebungen – die Biberkriege der Irokesen. Ihren Abläufen lag ein politisches und militärisches Konzept zugrunde, welches denen der Europäer ebenbürtig war. Nach der Ankunft der Franzosen am St. Lawrence (1608 Gründung von Québec) hatten auch die Holländer 1610 das Hudsontal erreicht und 1624 Fort Orange (das heutige Albany) gegründet. 1620 hatten die Briten begonnen, New England zu kolonisieren und 1630 Boston gegründet, und 1638 war eine schwedische Kolonie am Delaware River entstanden.

In den ersten Jahren vermieden die Europäer, Feuerwaffen an die Indianer zu verkaufen. 1632 begann der französische Offizier und Kolonialpionier Samuel de Champlain, an getaufte Huronen Musketen (Luntenschlossgewehre) und kleinere Pulvermengen „für Jagdzwecke“ abzugeben. 1638 zogen Schweden und Holländer nach. Als britische Fellhändler in Boston 1640 versuchten, durch den Verkauf von Feuerwaffen an die Mohawk das Handelsmonopol der Holländer in Fort Orange zu brechen, kannten die Holländer keine Zurückhaltung mehr und versorgten die Mohawk mit so vielen Gewehren, wie diese nur wollten. Die von den Holländern gelieferten Gewehre waren den Musketen der Franzosen überlegen. Offenbar handelte es sich bei den holländischen Gewehren bereits um Steinschlossgewehre mit einem Flint- bzw. Feuersteinschloss (ein Prinzip, das seit etwa zwanzig Jahren in Europa bekannt war).

Unglücklicherweise gab es im Gebiet des Irokesenbundes nicht so viele Biber wie in anderen Gebieten und sie waren bald rar. Ungleich den Stämmen der Huronenallianz war der Irokesenbund nicht in der Lage, die Biberfellengpässe durch den Handel mit Nachbarstämmen auszugleichen, da er sich mit fast allen Nachbarn im latenten oder offenen Kriegszustand befand. Versuche der Holländer, an den Mohawk vorbei über die benachbarten Mahican (Mohikaner) Zugang zum Fellhandel am St. Lawrence zu erhalten, hatten die Mohawk mit der Unterwerfung der Mahican (1624-1628) vereitelt. Die Irokesen wollten selbst am florierenden Fellhandel der Huronen partizipieren – wenn nötig, mit Gewalt. Um 1630 brach der Krieg mit den Huronen aus. Wiederholt drangen Kriegstrupps der Mohawk über den St. Lawrence ins südöstliche Ontario vor, überfielen die mit den Franzosen verbündeten Algonkinstämme im oberen Tal des St. Lawrence sowie am unteren Ottawa River und versuchten die Fellhandelsroute der Huronen nach Québec zu stören. Auch die Seneca beteiligten sich an den Kampfhandlungen und griffen in einer Zangenbewegung die Huronen von Südwesten her an.

Wenro: Als erstes fielen jedoch 1639 die Wenro (Wenrohronon) dem irokesischen Biberkriegen zum Opfer. Es war ein kleiner Stamm der irokesischen Sprachfamilie mit nicht mehr als 1200 bis 2000 Personen in zwei oder drei Dörfern, der südlich der Niagarafälle und am Ostende des Lake Erie lebte. Das Hauptdorf lag nahe einer Ölquelle beim heutigen Cuba im Staat New York. Das Öl war ein begehrtes Heilmittel bei den Stämmen der Region und sein Wert als Tauschobjekt war möglicherweise der Anlass für die irokesische Eroberung. Zuvor hatte ein Bündnis mit den Neutrals auf der anderen Seite der Niagarafälle und den Erie im Westen die Wenro vor Überfällen des Irokesenbundes geschützt. Nachdem jedoch die beiden Nachbarn das Bündnis mit den Wenro 1639 aus unbekannten Gründen aufgekündigt hatten, hatte der Irokesenbund sofort zugeschlagen. Die Wenro waren schnell besiegt. Scharenweise flohen die Überlebenden zu den Neutrals (mit denen sie wohl kulturell und sprachlich am nächsten verwandt waren), etwa 600-800 Flüchtlinge nahm die Huronenallianz auf. Eine Gruppe der Wenro östlich der Niagarafälle leistete jedoch noch bis 1643 dem Irokesenbund Widerstand, dann floh auch sie zu den Neutrals. Der Stamm hatte aufgehört zu existieren.

Nach 1640 waren die Krieger des Irokesenbundes besser bewaffnet als alle anderen Indianerstämme und selbst als sie Franzosen. 1641 vertrieben Mohawk und Oneida die Algonkinstämme vollständig aus dem oberen St. Lawrence Tal, während weiter im Westen die Seneca, Cayuga und Onondaga die Huronenstämme attackierten. Kriegstrupps des Irokesenbundes blockieren die Felltransporte zu den französischen Handelsposten. In den folgenden Jahren brachten die Irokesen den französischen Fellhandel im 1642 neu gegründeten Posten Ville Marie an der Mündung des Ottawa River (heute Montreal) völlig zum Erliegen. Die Franzosen waren daher 1645 froh über einen Friedensschluss mit den westlichen Stämmen des Irokesenbundes und den Irokesen hielt er den Rücken frei im Kampf mit den Huronen um die Kontrolle des Fellhandels. 1647 zerstörte der Bund die Dörfer der Arendahronon-Huronen und im März 1649 drang eine Armee der Seneca und Mohawk in Huronia ein, zerstörte Missionsstationen, marterte Jesuitenpriester zu Tode und töteten Hunderte von Huronen oder nahm sie gefangen. Der Widerstand der Huronen war gebrochen; sie gaben ihren Hauptort auf und flohen.

Tionontati: Die Attignawatan-Huronen flohen nach Westen zu ihren Verwandten, den Tionontati. Dieser wegen seines intensiven Tabakanbaus für den Handel auch als „Gens du Petun“ (Tobacco Nation) bekannte Stamm hatte nicht der Huronenallianz angehört und seine politische Eigenständigkeit bewahrt. Die neun Dörfer des Stammes mit einer nach Seuchen 1630 auf 3000 Personen dezimierten Bevölkerung lagen in einem Gebiet, das sich im Hügelland südlich der Nottawassaga Bay (Südzipfel der Georgian Bay) bis zum Südende des Lake Huron erstreckte.

Nachdem die Irokesen im Sommer und Herbst so viele Huronen wie möglich gefangen genommen hatten, griffen sie im Winter die Tionontati an, zerstörten das Hauptdorf des Stammes und zündeten die Missionsstation an. Wer sich ergab, geriet in Gefangenschaft, wer Widerstand leistete, wurde getötet. Lediglich etwa 1000 Tionontati (unter ihnen Attignawatan-Huronen) entkamen und flohen nach Mackinac Island am Westende des Lake Huron (vor der Strait of Mackinac zum Lake Michigan).

Neutrals: Die Tahontaenrat-Huronen hatten sich nach Süden in das Gebiet der Neutrals abgesetzt. Das Gebiet der Neutrals erstreckte sich im Wesentlichen nördlich des Lake Erie im heutigen Südontario von den Niagarafällen bis zum heutigen Detroit. Eine Schätzung von 1615 bezifferte die Stammesbevölkerung irgendwo zwischen 10.000 und 20.000 Personen, verteilt auf 28-40 Dörfer. Berichte über die Neutrals sind spärlich, da nur zwei Mal jesuitische Priester die Neutrals besuchten (1626 und 1640), nach kurzer Zeit aber wieder abreisen mussten, weil man sie der Hexerei beschuldigte. So ist auch unbekannt, wie sie sich selbst nannten; die Huronen bezeichneten sie als „Attiwandaron“ (Siedler der Halbinsel). Die Franzosen gaben ihnen den Namen „Neutres“, weil sie sich in den Auseinandersetzungen zwischen Irokesenbund und Huronenallianz neutral verhielten. Sonst aber waren sie ein durchaus kämpferischer Stamm, der seine Biberfanggebiete auf Kosten von Algonkinstämmen auf die Michiganhalbinsel auszudehnen versuchte. Nachdem die Neutrals die geflüchteten Tahontaenrat-Huronen aufgenommen hatten, verlangte der Irokesenbund ihre Auslieferung. Als die Neutrals dieser Aufforderung nicht nachkamen, griffen Irokesenkrieger 1650 die Neutrals an. Nach einem Jahr war der Krieg beendet und die Neutrals kommen seitdem nur noch in Sachbüchern vor. Eine größere Anzahl der Neutrals (unter ihnen Huronen) floh nach Süden zu den Erie, die sie unter der Bedingung völliger Unterordnung aufnahmen. Auch die Erie verweigerten eine Auslieferung der Flüchtlinge.

Erie: Die Erie sprachen angeblich eine Sprache, die einem der huronischen Dialekte sehr ähnlich war. Ihre Verbreitung erstreckte sich entlang der Südküste des Lake Erie etwa von Buffalo im Osten bis Sandusky im Westen. Sie kamen nur einmal in direkten Kontakt mit den Weißen, als ein Franzose 1615 unweit der Niagarafälle eine Gruppe der Erie antraf. Der Name „Erie“ leitete sich vom „Erielhonan“ (Langschwanz, gemeint ist der Schwanz des Cougar/Pumas), einem Irokesenwort, ab. Für die Franzosen war es die „Nation du Chat“ (das Katzenvolk). Über die Bevölkerungszahl und die Anzahl der Dörfer gibt es so gut wie keine Angaben; möglicherweise betrug die Bevölkerung nach Aufnahme der Flüchtlinge von 1651 um die 10.000 Personen. Friedensverhandlungen zwischen dem Irokesenbund und den Erie, die 1653 nach kleineren Scharmützeln stattfanden, endete in einem Blutbad: Während der Verhandlungen tötete ein Krieger der Erie einen Irokesen und die Irokesen metzelten daraufhin die gesamte Delegation der Erie nieder – der Krieg war nicht mehr aufzuhalten.

Bevor die Irokesen angriffen, schlossen auch die westlichen Stämme des Irokesenbundes Frieden mit den Franzosen. Die Franzosen, die keine 300 Soldaten in ganz Nordamerika stationiert hatten, stellten keine wirkliche Gefahr für den Irokesenbund dar. Als Hauptbedingung für den Frieden forderten die Irokesen, dass die Franzosen keine Waffen an die Erie lieferten. Die Franzosen wollten ihren Fellhandel nicht gefährden und gingen auf die Bedingung ein, forderten aber ihrerseits, dass französische Jesuitenpater in den Irokesendörfern, in denen zum Christentum bekehrte Huronen lebten, Missionsstationen einrichten durften. Die Irokesen stimmten zu, weil sich in ihren Augen damit die Chance verringerte, dass die zahlreichen Huronen in ihren Dörfern während des Krieges gegen die Erie (und den huronischen Flüchtlingen bei ihnen) revoltierten. 1654 begannen dann die westlichen Stämme des Irokesenbundes, die Seneca, Cayuga und Onondaga, gegen die Erie vorzurücken. Obwohl besser und vor allem mit Gewehren bewaffnet, brauchten sie zwei Jahre, um das Gebiet der Erie zu erobern. Die nicht im Krieg gefallenen oder gefangen genommenen Erie flohen nach allen Richtungen. Ein Trupp versteckte sich 24 Jahre lang vor den Irokesen und ergab sich ihnen erst 1680 in Pennsylvania. An die Erie erinnert heute nur noch der Lake Erie.

Susquehannock (Conestoga): Um die Susquehannock, einen südlich der Irokesen im Tal des gleichnamigen Flusses lebenden Stamm, am Eingreifen in den Krieg auf Seiten der Neutrals zu hindern, hatten die Mohawk im Herbst 1650 die Susquehannock mit einem separaten Krieg überzogen. 1651 unterstützten dann auch die Oneida die Mohawk in ihrem langen Krieg gegen die Susquehannock. Kriege und Seuchen dezimierten bis 1661 die Kampfstärke des Stammes auf 300 Krieger. 1675 geriet der Stamm unter die Botmäßigkeit des Irokesenbundes. 1763 tötete ein aufgebrachter Mob weißer Siedler die letzten 20 Überlebenden und unterdessen zum Christentum konvertierten Susquehannock als Vergeltung für Feindseligkeiten durch unbekannte Indianer.8

Nach den Kämpfen mit den Huronen und Tionontati 1649 war die Zahl der irokesischen Krieger auf unter 1000 Waffenträger gesunken. Durch Massenadoptionen von Gefangenen hatten sie ihre Verluste wieder ausgeglichen: Die Onondaga hatten die gefangenen Arendahronon-Huronen adoptiert, die Mohawk 700 Attignawatan-Huronen und die Seneca bis zu 1000 Tahontaenrat-Huronen sowie später die Erie. Durch die Adoption von mehr als 7000 Huronen und einer gleichen Anzahl von Tionontati, Neutrals, Erie und Susquehannok war die Bevölkerung des Irokesenbundes zwischen 1648 und 1656 von etwa 10.000 Personen auf 25.000 Personen angewachsen. In einigen Dörfern der Irokesen lebten mehr adoptierte ehemalige Gefangene als Irokesen; 1668 waren zwei Drittel der Oneida Adoptierte, ein Dorf der Seneca soll 1680 ausschließlich von Neutrals bevölkert gewesen sein.

Die große Zahl von adoptierten Mitgliedern fremder Stämme stellte die Irokesen vor zwei Probleme. Das erste Problem stellten die Restgruppen der eroberten Stämme dar, die geflohen waren. Sie konnten jederzeit an der Spitze neuer Allianzen mit anderen Stämmen den Kampf wieder aufnehmen, wobei auch die Gefahr einer Revolte ihrer adoptierten Stammesmitglieder in den Irokesendörfern drohte. Mit akribischer Grausamkeit verfolgten daher irokesische Kriegstrupps solche Gruppen und bekämpften sie und die Stämme, die ihnen Zuflucht gewährt hatten, bis nach Wisconsin und Illinois hinein. Erst ein 1667 zwischen den Franzosen und dem Irokesenbund geschlossener Frieden, der sich auch auf die indianischen Verbündeten der Franzosen bezog, beendete diese Verfolgungen.

Das zweite Problem entstand durch die französischen Missionare in den Irokesendörfern. Die erste Missionsstation hatten die Jesuiten bereits 1642 unter den Mohawk errichtet. Gemäß den Bedingungen des Friedensvertrags begannen Jesuiten dann 1654 missionarisch unter den Onondage zu wirken und zwei Jahre später auch unter den Cayuga, Seneca und Oneida. Sie waren erfolgreich und bekehrten viele „Irokesen“ zum Christentum (die ersten Bekehrten sollen adoptierte Neutrals gewesen sein). Nach dem Sieg über die Erie (1656) war der Irokesenbund nicht mehr länger auf die Neutralität der Franzosen angewiesen gewesen. 1658 ermordeten Irokesen einen jesuitischen Gesandten und der Bund verlangte den Abzug der Missionare aus seinen Dörfern. Auch hielten die nicht bekehrten Irokesen die unter ihnen lebenden Konvertiten für potentielle Parteigänger der Franzosen und begannen, deren Loyalität gegenüber dem Bund in Frage zu stellen. Sie übten Druck auf die Christen unter ihnen aus, ihrem neuen Glauben abzuschwören. 1658 verließen die ersten bekehrten Oneida (unter ihnen Neutrals) ihre Dörfer und ließen sich bei La Prairie am St. Lawrence in der Nähe der Franzosen nieder. Später folgten ihnen weitere Oneida und zahlreiche Mohawk. Diese Gemeinde zog 1673 in ein neues Dorf, Caughnawaga, bei Sault St. Louis (Lachine, heute eine Trabantenstadt von Montreal). Von diesem Dorfnamen leitet sich die Bezeichnung

Caughnawaga für Irokesen unter französischem Schutz ab. 1680 lebten in Caughnawaga mehr Krieger der Mohawk als im eigentlichen Kernland des Stammes. Das Dorf wuchs so schnell, dass ein Teil der Bevölkerung 1676 das Dorf Kanesateke auf der anderen Seite des Stromes gründete (dorthin zogen auf Betreiben der Missionare auch getaufte Algonquin und Nipissing, die das Dorf „Oka“ nannten). Zwischen 1720 und 1756 entstanden weitere Missionsdörfer (Deux Montagnes bei Montreal, St. Regis am Südufer des St. Lawrence für Mohawk aus Caughnawaga sowie zwei bei Ogdensburg weiter stromauf auf der gleichen Flussseite für Onondaga, Oneida und Cayuga).

Nach der Unterwerfung weiterer Stämme in South Carolina und Virginia hatte der Irokesenbund 1680 den Höhepunkt seiner Machtentfaltung erreicht. Jetzt begann eine zweite Phase in den Biberkriegen. Im Westen hatten die Franzosen Fort Crévecoeur am oberen Illinois River errichtet und dadurch indianische Biberjäger in die westlichen Gebiete gelockt, welche die Irokesen mit dem Recht der Eroberer für sich beanspruchten. Als in einem Dorf der Ottawa ein irokesischer Sachem, der dagegen protestieren wollte, ermordet wurde, verwüste eine Streitmacht der Seneca 1680 und 1681 die Umgebung des Forts, aus dem sich die Franzosen vorher zurückgezogen hatten.

1682 entstand jedoch weiter stromaufwärts Fort St. Louis, in dessen Einzugsbereich 1684 an die 20.000 Indianer lebten. Vergeblich versuchten die Irokesen das Fort einzunehmen. Die Französen versorgen ihre indianischen Verbündeten mit Gewehren, schlossen sie zu einer Allianz gegen die Irokesen zusammen und bauten weitere Forts. 1687 setzten sie zur Gegenoffensive an. Nach Siegen der anti-irokesischen Allianz in Kanuschlachten auf dem Lake St. Clair und dem Lake Erie mussten sich die Irokesen bis 1696 außer im östlichen Ohio und im nördlichen Pennsylvania aus den westlichen Gebieten zurückziehen. Im Osten hatten die Franzosen 1687 begonnen, Dörfer der Seneca und Onondaga im Kerngebiet der Irokesen anzugreifen. 1690 dezimierte eine Pockenepidemie die Kampfstärke der Irokesen; dennoch dauerten die Kämpfe an. Erst 1701 beendete ein Friedensvertrag zwischen Irokesen und Franzosen die Biberkriege des Irokesenbundes.

 
Größte Machtentfaltung des Irokesenbundes um 1680 (E. Franz).
 
 Zerfall des Irokesenbundes im 18. Jahrhundert
1655 hatten die Holländer die schwedischen und die Engländer im ersten Seekrieg gegen die Holländer 1664-1667 die holländischen Besitzungen in Nordamerika übernommen. Durch den Vertrag von Ryswick zwischen England und Holland waren die Irokesen unter britische „Protektion“ geraten. Im Vertrag 1701 hatten die Irokesen Neutralität in den sich abzeichnenden britisch-französischen Auseinandersetzungen um New England und die kanadischen Maritimes, den Ostküstenprovinzen, versprochen.

1722 nahm der Irokesenbund als sechste Nation (ohne Stimmberechtigung im Bundesrat) die

Ska-Ruh-Reh (Tuscarora) auf, die ebenfalls zur irokesischen Sprachfamilie gehörten. Seitdem existiert die Bezeichnung „Six Nations“ für den Irokesenbund. Die Tuscarora hatten sich 1712/1713 im Krieg mit weißen Siedlern in Carolina befunden und 1714 waren 1500 Tuscarora zu den Irokesen geflüchtet.

Ab 1720 wanderten irokesische Jäger ins Ohiotal ab und gründeten im westlichen Pennsylvania sowie im östlichen Ohio neue Dörfer. Als ihre Zahl zunahm, bezeichneten britische Händler sie als

Mingo (aus der Sprache der Delawaren abgeleitete holländische Bezeichnung für Irokesen). Die Mingo kamen von den Stämmen Seneca und Cayuga, waren aber überwiegend Nachkommen von adoptieren Huronen, Neutrals, Erie und Susquehannock – Irokesen zweiter Klasse also. Im Gegensatz zu früheren irokesischen Gepflogenheiten gestatteten sie auch Angehörigen der nicht-irokesischen Shawnee und Delawaren mit ihnen zu siedeln (die beiden Stämme der Algonkin-Sprachfamilie waren von weißen Siedlern aus dem Osten vertrieben worden und als Mitglieder der Covenant Chain hatten ihnen die Irokesen Gebiete im oberen Susquehannocktal abgetreten). Um 1750 sollen in den gemischten Dörfern in Ohio bereits 20.000 Personen gelebt haben, die 2000 Krieger aufstellen konnten. Obwohl die Mingo formal zum Irokesenbund gehörten, begannen sie nach und nach, sich als eigener Stamm anzusuchen und entsprechend zu handeln.

Trotz Eingliederung der Tuscarora war die Bevölkerung des Irokesenbundes durch Seuchen, Kriege und durch die Abwanderung von ca. 2000 Caughnawaga und etwa 1000 Mingo 1740 auf 14.000 Personen gesunken. Franzosen und Engländern war die sinkende Bevölkerungszahl der Irokesen wohl bekannt; durch ihre „Covenant Chain“, den besiegten und vertraglich mit dem Irokesenbund liierten Stämmen, stellte der Bund – zumindest rechnerisch – jedoch noch immer einen beachtlichen Machtfaktor dar. Dennoch gelang es ihm nicht, seine Gebietsansprüche im Westen, in Ohio und im westlichen Pennsylvania, aufrecht zu erhalten. Gleich mehrere Parteien erhoben Anspruch auf dieses Gebiet:
– die Irokesen mit dem Recht der Eroberer durch die Eroberungen 1650-1660;
– die Briten als Schutzmacht der Irokesen seit 1667;
– die Franzosen mit dem Recht der „Entdeckung“ und Erkundung von 1670;
– die dorthin abgewanderten Stammesteile und Stämme (Shawnee, Delawaren, Mingo u. a. m.);
– Die „Long Knives“, Siedler aus den britischen Kolonien im Osten der Appalachen. 1747 begann die Ohio Company von Virginia, im Gebiet um  Pittsburgh Land an Siedler zu verkaufen (unter den Käufern befand sich auch der ältere Halbbruder von George Washington).

1744 und erneut im Vertrag von Longstown 1752 trat der Irokesenbund seine Ansprüche auf Ohio an die Briten ab.

Der britisch-französische Kolonialkrieg in Nordamerika entzündete sich 1754, zwei Jahre vor dem Siebenjährigen Krieg in Europa, nachdem die Franzosen eine Reihe von Forts errichtet hatten, um ihre Besitzungen in Kanada mit denen in Louisiana zu verbinden. An diesem Krieg beteiligten sich Irokesen auf beiden Seiten: auf französischer Seite die Irokesen, die an den St. Lawrence Strom gezogen waren sowie Teile der Cayuga- und Seneca-Mingo in Ohio; auf britischer Seite Teile der Mohawk und Oneida. Dennoch bemühten sich die Irokesen, den „großen Frieden“ untereinander zu wahren und vermieden direkte Feindberührungen untereinander. Es kam vor, dass sie sich aus Gefechten zurückzogen, wenn auf der Gegenseite ebenfalls Irokesen standen. Der Irokesenbund selbst blieb neutral. Seinen Einfluss auf die Stämme der Covenant Chain hatte er allerdings eingebüßt. Als er z. B. auf Drängen der Briten den Shawnee und Delawaren befahl, sich aus Ohio wieder ins obere Susquehannocktal zurückzuziehen, weigerten sich diese und blieben in Ohio.

1763 beendete der Frieden von Paris den Siebenjährigen Krieg in Europa und den Kolonialkrieg in Nordamerika. Frankreich hatte seine Kolonien in Nordamerika an Großbritannien verloren. 1768 schlossen die Briten in Fort Stanwix (Schuyler/New York State) einen Vertrag mit dem Irokesenbund, in welchem der Bund das gesamte Ohiotal und den größten Teil des westlichen Pennsylvania abtreten musste. Der Vertrag bestand nur auf dem Papier, denn weder konnte der Irokesenbund irgendwelchen Einfluss auf die Stämme dort ausüben, noch konnten die Briten die Siedler kontrollieren, die eigene Interessen verfolgten. 1774 befanden sich bereits 50.000 Siedler westlich der Appalachen, weitere strömten nach.

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776-1783) brach der „große Frieden“ unter den Irokesen auseinander und die Onondaga löschten 1777 das Ratsfeuer. Oneida und Tuscarora unterstützten die amerikanischen Separatisten, Mohawk, Onondaga, Seneca und Cayuga die Briten, während die Irokesen vom St. Lawrence gespalten waren. 1779 sandte George Washington eine Strafexpedition in das Gebiet der feindlichen Irokesenstämme, die den Hauptort der Onondaga einnahm, die Wampums des Bündnisses als Kriegsbeute mitnahm und 40 Dörfer niederbrannte (seitdem trägt G. Washington bei den Irokesen den Beinamen „Stadtzerstörer“).

Von 8000 Irokesen hatten etwa 5000 den Krieg überlebt. Nach Kriegsende waren größere Teile der Mohawk und der Cayuga nach Kanada abgewandert, wo sie ein Reservat am Grand River im südlichen Ontario erhielten. Angehörige weiterer Irokesenstämme folgten ihnen. Im „Six Nations Reserve“ erneuerten die dorthin abgewanderten 2000 Irokesen ihren Bund – sie zündeten das Ratsfeuer wieder an. Aber auch die in den USA verbliebenen Irokesen entzündeten in Buffalo Creek ein neues Ratsfeuer.

Auf Grund seiner Verdienste während des Krieges, konnte sich der Mohawk John Deserontyon, Captain der britischen Armee, ein Gebiet am Bay of Quinte bei Belleville am Lake Ontario aussuchen, in das er 1784 mit 20 Familien, insgesamt 200 Personen, zog. 1794 erhielt dieser Trupp der Mohawk ein Gebiet von der Größe einer Township (92.900 acres – 37.593 ha) offiziell zugesprochen; spätere Landabtretungen verkleinerten es auf ca. 7000 ha.

Zerstreuung über den Kontinent im 19. Jahrhundert
Der zweite Vertrag von Fort Stanwix besiegelte 1784 die Auflösung des Irokesenbundes. Der Bund musste den größten Teil des irokesischen Kernlandes aufgeben und frühere Gebietsabtretungen an die Briten bestätigen. Siedler überrannten die verbliebenen Teile des irokesischen Gebiets und zwischen 1797 und 1822 gaben viele Stammesgruppen ihre Landansprüche auf oder verkauften sie an die Regierung. So hatten u. a die Cayuga bis 1807 ihr gesamtes Land im Staat New York verkauft. Viele von ihnen wanderten zu den Mingo in Ohio bzw. nach Kanada ab. Die Irokesen vom St. Lawrence hatten ihre Ansprüche bis auf ein rund 58 qkm großes Gebiet bei St. Regis an der Grenze zwischen Québec und New York-Staat 1798 abgetreten. St. Regis ist seitdem das einzige Reservat für Mohawk auf dem Boden der USA. Das Umsiedlungsgesetz von 1830 (Indian Removal Act) erlaubte den USA Umsiedlungen im größeren Umfang. 1838 wurden über 600 Oneida in die „Oneida Indian Reservation“ bei Alloues am Green River in Wisconsin umgesiedelt, andere im Staat New York verbliebene Irokesen stimmten einer Umsiedlung nach Kansas zu (deren Durchführung allerdings die Quäker blockierten, so dass bis 1848 lediglich 210 Seneca nach Kansas gekommen waren), wieder andere wanderten ins Six Nations Reserve nach Kanada ab (z. B. Teile der Tuscarora). Das St. Regis Reservat war nicht unter das Umsiedlungsgesetz gefallen.

Im Ohiotal hatten sich die Mingo noch bis 1794 gegen die weißen Siedler gewehrt. 1815 (nach dem Aufstand des Shawnee Tecumseh) hatten sie zwei Reservate erhalten (ein gemischtes für Shawnee und Mingo und eines für die Seneca-Mingo von Sandusky). 1831 siedelten die USA die Bevölkerung beider Reservate nach Kansas um.

Nach dem Sessionskrieg (1861-1865) handelte die US-Regierung neue Verträge mit den Indianern in Kansas über eine Umsiedlung nach Oklahoma aus. Dort trennte sie Mingo und Shawnee aus Ohio und die Mingo vereinigten sich mit den aus dem Staat New York gekommenen Seneca zum Seneca-Cayuga Stamm von Oklahoma.

Die Onondaga in ihrem Reservat südlich von Syracus (Staat New York) betrachten sich noch heute als souveräne Nation und lehnen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft ab. Allgemein gelten die Irokesen, speziell die Mohawk aus der St. Regis Indian Reservation, als schwindelfreie Arbeiter auf den Stahlgerüsten beim Bau von Wolkenkratzern und von Brücken.

1989 erhielten die Onondaga in den USA die Wampums des Bundes vom Staat New York zurück.

Im späten 18. Jahrhundert hatte die North West Company Indianer und Métis aus dem Gebiet von Montreal, darunter Irokesen (Caughnawaga und Mitglieder anderer Stämme), als Bootsführer und Pelztierjäger für die damaligen North West Territories (Montana bis Alberta) angeworben. Die angeworbenen indianischen Trapper waren mit ihren Eisenfallen so erfolgreich, dass die Gesellschaft 1801 weitere Irokesen in Dreijahresverträgen als Trapper verpflichtete. Nach Ablauf der Verträge blieben viele Irokesen weiter im Dienst der Company in den Westgebieten. Andere jagten als unabhängige Fallensteller in den Waldvorbergen der Rocky Mountains.

 

Tabelle 3: Heutige Verbreitung und Anzahl der Irokesen9

Stamm
Untergruppe

Verbreitung in den USA

Anzahl
Verbreitung in Kanada
Anzahl
insgesamt
Cayuga
Seneca-Reser vat Staat / New York
 
 
 
500
Six Nations Reserve, Grand River/ Südontario
 
 
 
3.000
 
 
 

3.500

Mohawk
 
 
 
 
 
St. Regis Reservation (an der Grenze zu Québec)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
7.700
im Six Nations Reserve;
Reservate an der Nordküste des Lake Ontario;
 
Akwesasne Resevat an der Grenze zu den USA
 
 
 
 
 
12.000
 
 
 
 
5.700
 
 
 
 
 
 
 
 
Caughnawaga
u. a. größere Gruppe als Stahlarbeiter in Brooklyn
 
 
 
 
 
 
Caughnawaga/ Oka
 
 
 
 
10.000
 
 
 
 
 
 
7.700
 
27.700
35.400
Oneida
Im und beim Reservat bei Green Bay/ Wisconsin; im Oneida Reservat im Staat New York
 
 
 
11.000
 
 
 
700
 
 
 
Bei Thames, unweit von London,/Ontario;
Six Nations Reserve
 
 
 
 
 
2.800
 
1.800
 
 
 
11.700
 
4.600
16.300
Onondaga
Onondaga Reservat südl. von Syrakus/ Staat New York
 
 
 
 

 

1.600

 
 
 
 
Six Nations Reserve
 
 
 
 

 

600

 
 
 
 

 

2.200

Seneca
vier Re- servate nordwestl. Staat New York
 
 
 
 
8.000
 
 
 
u.a. Six Nations Reserve;
 
 
 
 
1.100
 
Mingo
Seneca-Cayuga Stamm in Oklahoma
 
 
 
2.500
 
 
 
   
10.500
 
1.100
11.600
Tuscarora
Tuscarora Reservat/ Niagarafälle
 
 
1.200
 
Six Nations Reserve
 
 
200
 
 
1.400
 
 
33.200(49.038)
 
37.800
70.400
(86.838)

Die unabhängigen Fallensteller drangen von den Waldvorbergen über die Berge zu den Stämmen Sekani und Shushwap vor. Einer von ihnen war der (Métis-Irokese?) Piere Bostonais mit dem Spitznamen „Tête Jaune“ (Yellowhead). Nach ihm benannte man einen Bergpass und später die Straßenroute über den Pass. Seinen Ruhm konnte Yellowhead nicht mehr miterleben – 1827 oder 1828 töteten einheimische Dunne-za (Biber-Indianer), welche die indianischen Fallensteller aus dem Osten als Eindringlinge in ihre Jagdgebiete ansahen, Yellowhead und seinen Bruder, ihre Frauen und ihre Kinder.

Die angeworbenen Irokesen aus dem Osten waren ohne Frauen gekommen. Diejenigen, die blieben, heirateten Squaws der Cree oder Frauen der Métis. 1878 unterzeichnete der Anführer eines Trupps der Irokesen, der sein Hauptlager bei der katholischen Mission am Lac Ste. Anne in Alberta hatte, einen Zusatz zum Vertrag Nr. 6 für die 231 Mitglieder seines Trupps (den Vertrag hatte die Regierungskommission zwei Jahre zuvor mit den Stämmen am North Saskatchewan ausgehandelt). 1880 zog dieser Trupp unter Michel Calihoo in sein Reservat bei Villeneuve, widmete sich intensiv der Landwirtschaft und war binnen weniger Jahre nicht länger auf Unterstützung durch die Indianeragentur angewiesen. 1931 und erneut 1949 versuchten die Indianer dieses Trupps, die Regierungskontrolle über ihr Reservat loszuwerden. 1958 schließlich gaben sie ihren Status als Indianer auf, privatisierten das Reservatland und galten fortan rechtlich nicht mehr als Indianer.

Wendat (Quendat, Wyandotte, Guyandot(te), Huron Indians, Huronen)
Im südlichen Ontario bezeichneten sich mehr als ein Dutzend Stämme der irokesischen Sprachfamilie als „Wendat“ (Dorfbewohner). Für die Franzosen waren die Mitglieder einer Allianz aus vier Stämmen zwischen der Georgian Bay und dem Lake Simcoe sowie südlich davon die „Hurons“ (Bauern). Ein Teil des Gebiets, welches die Huronen „Wendake“ nannten, ist heute das Gebiet „Huronia“ in Ontario. Um 1615 lebten hier zwischen 20.000 und 30.000 Huronen in 15-25 Dörfern.9 Zu den vier Stämmen der Huronenallianz gehörten die:
 
Arendahronon/Arendehhronon (Felsmenschen),
 
Attignawatan/Attignawantan (Atignaouentan, Attignousutan – Bärmenschen),
 
Attigneenongnahac (Attiguenongha – Riemenmenschen),
 
Tahontaenrat (Scanonaerat, Sahentoarrhonon – Hirschmenschen) [Deer People, wobei „Deer“ in Nordamerika die Bezeichnung für verschiedene Hirscharten ist].
 
Nach Aufnahme von Flüchtlingen vor dem Irokesenbund (der zur gleichen Sprachfamilie gehörenden Wenro 1639 sowie von verbündeten Algonquin 1644) zählten auch die
Ataronchronon als fünfter Mitgliedsstamm zur Huronenallianz.

Die Huronenallianz gilt als der erste Zusammenschluss von Stämmen der irokesischen Sprachfamilie in der Region. Schon um 1400 sollen die Attignawatan und die Attigneenongnahac ein Bündnis eingegangen sein, dem sich 1560 die Arendahronon und 1570 die Tahontaenrat anschlossen. Die beiden letzteren Stämme waren vom St. Lawrence nach Westen abgedrängt worden.

Wie auch im Irokesenbund stellte jeder Stamm der Huronenallianz Vertreter in den gemeinsamen Rat. Im Rat, der in Ossossane, dem Hauptort der Attignawatan zusammentrat, dominierten die Gastgeber als größter Mitgliedsstamm der Allianz.

Der Rat legte Streitigkeiten zwischen den Stämmen bei und beschloss Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse wie Krieg und Frieden sowie Außenhandelsbeziehungen.

Bereits bevor sich die Franzosen am St. Lawrence festsetzen (1608 in Québec), hatten die Huronen ausgedehnten Handel betrieben und überschüssige Anbauprodukte bis ins Gebiet um Sault Ste. Marie bei den Ojibwa, bei den Neutrals und Erie im Süden sowie auch – wenn sie sich nicht gerade im Krieg mit ihnen befanden – bei den Stämmen des Irokesenbundes gegen andere Waren eingetauscht. Für ihre Handelszüge auf den Flüssen und Seen benutzten sie im Gegensatz zu den Ulmenholzbooten der Irokesen das leichter über Land zu transportierende Birkenrindenkanu.

Die händlerischen Fähigkeiten der Huronen imponierten den Franzosen so sehr, dass sie 1614 einen formalen Handelsvertrag mit der Huronenallianz schlossen. Die Huronen fungierten nun als Zwischenhändler und tauschten die begehrten Metallwerkzeuge und -waffen der Europäer gegen Biberfelle (und auch Tabak) ein. Um direkte Kontakte ihrer indianischen Handelspartner mit den Franzosen zu unterbinden, verbreiteten sie das Gerücht, dass die französischen Händler Seuchen und Krankheiten brächten und dass die „Schwarzröcke“, die Priester, Hexenmeister seien, die böse Zaubersprüche beherrschten.

Zum Teil stimmten die Behauptungen sogar. Zwischen 1635 und 1640 rafften Grippewellen, Masern und Pocken die Hälfte der huronischen Bevölkerung hinweg. Die großen Dörfer und die dicht belegten Langhäuser förderten die Ausbreitung von Seuchen.

Anfängliche Missionsversuche unter den Huronen waren erfolglos geblieben. 1634 errichteten jesuitische Missionare gewaltsam eine Missionsstation, die sie 1639 endgültig nach Ste. Marie verlegten (beim heutigen Midland, südlicher Severn Sound/Georgian Bay). Nach 1635 ließen sich viele Huronen bekehren. Sie verbanden damit die Hoffnung, durch die Religion der Weißen vor den Krankheiten der Weißen geschützt zu sein, denn unter den Europäern forderten selbst die Pocken weniger Todesopfer als unter den Indianern. Die Missionare machten ihren Einfluss geltend, dass die „getauften“ Huronen Musketen erhielten. Es kam zu Spannungen zwischen bekehrten und nichtbekehrten Huronen. Dies ging soweit, dass sich christliche und heidnische Huronen weigerten, dem gleichen Kriegstrupp anzugehören.

Schon vor Ankunft der Franzosen hatten sich die Huronen im Kriegszustand mit den Irokesen im Süden befunden. Nach Ankunft der Franzosen und Engländer hatten die Kriegshandlungen deutlich zugenommen. Der Bevölkerungsschwund unter den Huronen sowie die inzwischen (ab 1640) bessere Ausstattung der Irokesen mit Gewehren trugen dazu bei, dass die Huronen 1649 dem Ansturm der Irokesen nicht mehr gewachsen waren. Im Sommer 1648 und erneut im März 1649 überfielen Irokesenkrieger Missionsstationen und marterten jesuitische Pater zu Tode. Die Huronen verließen ihren Hauptort und flohen nach allen Seiten. Im Mai gaben die Missionare Ste. Marie among the Hurons auf und zogen sich mit einigen Hundert konvertierten Huronen auf eine Insel in der Georgian Bay zurück. Im Sommer 1650 schlugen sie sich nach Québec durch. Dort siedelten sich die Huronen bei Jeune Lorette unmittelbar nördlich der Stadt an. Andere Huronenflüchtlinge stießen später zu ihnen. Nach 1693 wurde diese Gruppe als die „Huronen von Lorette“ bekannt.

Die Attignawatan-Huronen hatten sich vor dem Irokesenangriff 1649 nach Westen zu den Tionontati gerettet. Im Dezember des Jahres nahmen die Irokesen den Hauptort der Tionontati ein. An die tausend Tionontati und Attignawatan-Huronen flohen weiter nach Westen an das Ende des Lake Huron. Auch dort von irokesischen Kriegstrupps verfolgt, zogen sie auf eine Insel bei Green Bay am Westufer des Lake Michigan weiter. Als die Irokesen 1651 die Neutrals besiegten, gesellten sich flüchtende Neutrals und mit ihnen Tahentoenrat-Huronen, die 1649 bei den Neutrals Zuflucht gesucht hatten, zu der Gruppe am Green Bay. Hier schlossen sich diese Flüchtlinge zu einem neuen Stamm zusammen, der später unter der Bezeichnung

Wyandot bekannt wurde. 1658 verließen die Wyandot Green Bay. Nach wechselnden Aufenthaltsorten überredete sie schließlich Pater Marquette 1671, sich bei seiner Missionsstation in St. Ignace niederzulassen. Inzwischen hatte der Friede von 1667 zwischen dem Irokesenbund und den Franzosen die Verfolgung der Wyandot durch die Irokesen beendet.

Die Missionare hatten den Pelzhandel stets verurteilt, weil er die Moral der Eingeborenen korrumpiere. Aber erst als durch ein Überangebot an Rauchwaren die Preise in Frankreich verfielen, verbot ein Erlass Ludwigs XIV. 1696 den unprofitablen französischen Pelzhandel im Gebiet der großen Seen. 1701 lockerte der König das Verbot und gestattete Antoine de la Mothe Cadillac die Errichtung eines Handelspostens für das gesamte Gebiet. Im gleichen Jahr gründete Cadillac Fort Ponchartrain, das heutige Detroit (die Handelsrestriktionen endeten erst 1715 nach dem Tod Ludwigs XIV.). Auf Einladung von Cadillac zogen die Wyandot von St. Ignace bis 1704 in die Gegend von Detroit; 1730 siedelten einige Trupps von ihnen am unteren Sandusky River am Südufer des Lake Erie. 1738 unterstützte der Anführer eines Trupps der Wyandot von Detroit die indianischen Verbündeten der Engländer gegen die indianischen Verbündeten der Franzosen. Die übrigen Wyandot waren nach wie vor loyale Gefolgsleute der Franzosen. Die Klanmütter verhinderten einen Krieg der Wyandot untereinander; der britenfreundliche Anführer wanderte mit seinen Gefolgsleuten nach Ohio an den Sandusky River ab.

Die Wyandot von Detroit in Michigan und die vom Sandusky River in Ohio beteiligten sich 1755 am Aufstand der Ottawa unter Pontiac, schlossen jedoch 1764 einen separaten Frieden mit den Engländern (Pontiac kapitulierte erst 1765). Während des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs (1776-1783) beteiligten sich, von den Briten dazu aufgefordert, auch die Wyandot an den Überfällen auf die „Long Knives“, die amerikanischen Siedler in Ohio. 1783 verfügten die Wyandot nur noch über 100 Krieger.

Nach Kriegsende mussten die Wyandot auf der britisch-kanadischen Seite bei Detroit ihr Land für die „Tories“ räumen, für die britischen Parteigänger aus den nunmehr zu den USA gehörenden Gebieten. 1790 erhielten diese Wyandot zwei Reservate, ein kleineres gegenüber von Detroit und ein größeres bei Anderdon am Lanard River unweit von Amhertsburg in Südontario.

Auch die Wyandot in Ohio und Michigan mussten in mehreren Verträgen zwischen 1795 und 1817 immer weitere Teile ihres Landes für die Besiedlung durch die Weißen freigeben. Nachdem der Kongress 1830 das Gesetz zur Umsiedlung von Indianern (Indian Removal Act) verabschiedet hatte, gerieten die Wyandot in Ohio und Michigan unter Druck, ihr noch verbliebenes Land zu verkaufen und sich nach Kansas umsiedeln zu lassen. 1842 verzichteten daraufhin die Wyandot in Michigan und Ohio auf ihre Landansprüche und 1845 brachen 664 Wyandot aus Ohio (unter ihnen 25 aus Michigan und 30 aus Kanada) mit dem Dampfschiff nach Kansas auf.

Dort angekommen mussten sie jedoch feststellen, dass die Shawnee nicht bereit waren, einen Teil des ihnen zugewiesenen Landes abzutreten. Auf eigene Kosten erwarben die Wyandot Land von den Delawaren.

Das Kansas-Nebraska-Gesetz des Kongresses von 1854 teilte die Region auf und gab Kansas zur Besiedlung frei. Gleichzeitig überließ es den Siedlern die Entscheidung für oder gegen die Sklaverei. Es entwickelten sich bürgerkriegsähnliche Zustände, in welche die Wyandot, die sich gegen die Sklaverei entschieden hatten, hineingezogen wurden. Ein Vertrag mit der Bundesregierung in Washington beendete 1855 den Status der Wyandot als Stamm, gewährte ihnen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und erlaubte ihnen privaten Grundbesitz. Ihren (versprochenen und nicht eingelösten) Anspruch auf Stammesland verkauften sie an die Regierung zurück.

1857 hatten 200 Wyandot in Kansas genug von der amerikanischen Staatsbürgerschaft und brachen ins Indianerterritorium in Oklahoma auf, wo ihnen die Seneca (Mingo aus Ohio) erlaubten, auf ihrem Land im Nordosten von Oklahoma zu siedeln. Während des Sessionskriegs (1861-1865) trieben die Truppen der Konföderierten die Wyandot wegen ihrer Ablehnung der Sklaverei von dort wieder nach Kansas zurück. 1867 erhielten diese Wyandot 20.000 Acres (8093 ha.) zwischen der Grenze zu Missouri und dem Neosho River zugewiesen und ihren Status als Indianer zurück.

Heute gibt es noch etwa 7000 Huronen in Kanada und in den USA. Sie haben ihre Sprache zugunsten von Englisch bzw. Französisch aufgegeben. 1994 hatte die Regierung von Québec 2650 „Huronen von Lorette“ in dem selbst verwalteten Reservat „Wendake“ außerhalb der Stadt Québec registriert.9 In den USA gehören der „Wyandotte Nation of Oklahoma“ zwischen 3000 und 4000 Personen an und der „Wyandot Nation of Kansas“ vielleicht noch 400 Personen.8 Die 100 Huronen, die 1829 noch im Anderdon-Reservat im Südontario gelebt haben, sind unterdessen von anderen Stämmen absorbiert worden; an die Huronen in Michigan erinnern nur noch der Trabantenstadtname Wyandotte von Detroit und der Huron River südlilich der Stadt.

 
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