Athapasken

Athapasken-Sprachfamilie
Die Sprachfamilie erhielt ihren Namen nach den Stämmen am Athabasca Lake und River. „Athabasca“ ist ein Cree-Wort mit der Bedeutung: „Platz, wo die Binsen wachsen“. Quellen der First Nations bevorzugen die Bezeichnung „Na-Dené language family“.
 
Dakelh (Takulli, Carrier)
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in British Columbia ungefähr von Prince George im Osten bis zur Stadt Fraser Lake im Westen, vom Takla Lake im Norden bis Alexandria im Süden. In diesem Gebiet leben ca. 6800 Personen des Stammes,1 gegliedert in 14 Untergruppen. Weitere Gruppen mit einer Schwestersprache sind die
 
Nat´oot´en (Babine, North Carrier), die für ihre ca. 1600 Stammesmitglieder1 Reservate am Babine Lake im nördlichen Teil von British Columbia haben sowie die
 
Wet´suwet´en „Leute der unteren Hügel“ nördlich der Dakelh, zwischen Babine Lake im Norden und dem Tweedsmuir Lake im Süden, vom Fraser Lake im Osten bis Hazelton im Westen. Ihre Anzahl beträgt 4400 Personen, Zentrum befindet sich in Moricetown nördlich von Smithers.16

Die Dakelh sind in fünf matrilinearen Klane organisiert sind: Laksilyt – „kleiner Frosch“, Gilseyhu – „großer Frosch“, Gitdumden – „Wolf/Bär“, Tsayu – „Biber“ und Laksamshu –„Feuerkraut“. Hierbei treten Biber und Feuerkraut bei Festen als gemeinsamer Klan auf.

Dene Suline (Chipewyan, Wechepowuck – Cree-Wort, Northard Indians, Northern)
Der Name „Chipewyan“ stammt von den Cree und bedeutet: „Spitze Felle“, womit die spitz nach unten auslaufenden Rückenteile der Jagdhemden gemeint waren, die wie Tierschwänze aussahen.

Zur Zeit der ersten Kontakte mit den Weißen jagten die Chipewyan im Gebiet zwischen dem Great Slave Lake und der Hudson Bay. Als 1717 an der Südostecke ihrer Jagdgründe Fort Churchill an der Hudson Bay errichtet wurde, begannen die Chipewyan, sich als Zwischenhändler zu ihren Nachbarn, den Dogrib und den Dene Thaa (Slavey) im Westen, zu betätigen. Die gegen Felle eingetauschten Gewehre ermöglichten den Chipewyan, zur Karibujagd weiter nach Norden in die Tundra, dem Gebiet ihrer Todfeinde, den Inuit, vorzudringen sowie ihre Jagdgründe auch nach Westen auszudehnen. Während die Woodland Cree den Saskatchewan entlang nach Westen vorstießen, dehnten die Chipewyan ihr Gebiet von Norden an den unteren Athabasca River und Saskatchewan aus. Um 1760 schlossen sie einen brüchigen Frieden mit den Cree, denen sie das Gebiet um den Lake Athabasca erfolgreich streitig gemacht hatten. Gleichzeitig hinderten sie die Dogrib und die Yellowknife gewaltsam daran, direkte Handelskontakte mit Fort Churchill aufzunehmen.

1778 eröffnete die North West Company mit Fort Chipewyan einen Handelsposten am Lake Athabasca. Als weitere Handel posten nordwestlich von Fort Chipewyan folgten, bestand kein Grund mehr für eine Feindschaft mit den Dogrib und den Yellowknife. Inzwischen sind die
 
T´atsaot´ine (Yellowknife) am Nordufer des Great Slave Lake in den Northwest Territories (1957 – 440 Personen) von den Chipewyan assimiliert worden.

Die Chipewyan kannten keine Stammesstruktur und jagten in Gruppen unter einem Familienoberhaupt. Zu größeren Trupps schlossen sie sich lediglich bei Bedrohung durch Feinde zusammen. Eine große Rolle spielten die Medizinmänner, die mit Kräutern und Beschwörungen Krankheiten heilten und Feinde mit Flüchen belegten.

Die Pockenepidemie 1781 raffte neun Zehntel der Stammesbevölkerung hinweg. Dies mag ein Grund gewesen sein, weshalb die Chipewyan einen friedlicheren Kurs gegenüber ihren Nachbarn einschlugen (nicht jedoch gegen die Inuit, die sie noch bis ins 20. Jahrhundert hinein überfielen). Anfang des 18. Jahrhunderts hatte man die Chipewyan auf etwa 3500 Personen geschätzt. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts reduzierten Seuchen und Krankheiten den Stamm auf weniger als 1000 Personen. Anfänglich nicht dem Alkohol verfallen (nach Mackenzie noch 1793), änderte sich die Situation offenbar abrupt. 1819 waren sie durch den Alkohol ebenso korrumpiert wie andere Stämme und in völlige Abhängigkeit von den Handelsposten geraten.

Den Vertrag Nr. 6 1876 in Fort Pitt mit Assiniboin und Ojibwa unterzeichnete lediglich ein Trupp der Chipewyan, der seine Jagdgründe weit im Süden im Gebiet des Cold Lake (südöstlich des Lac la Biche an der Grenze zu Saskatschewan) hatte. Die Chipewyan Trupps im heutigen Nordalberta, in den Northwest Territories und in einem Teil von Nordsaskatchewan unterzeichneten erst 1899 den Vertrag Nr. 8 mit der Regierung. Der Vertrag Nr. 10 von 1907 sah für die restlichen Chipewyan in Nordsaskatchewan die gleichen Bedingungen wie die bereits zuvor geschlossenen Verträge vor. Am Leben des Stammes änderte sich durch die Verträge vorerst nichts; lediglich ein Indianeragent erschien jedes Frühjahr, um das Vertragsgeld auszuzahlen.

In Alberta richtete die Bundesregierung fünf Reservate für die Chipewyan ein, in Saskatchewan sechs und in Manitoba zwei. Die Trupps in den Northwest Territories erhielten keine speziellen Reservate zugewiesen. Heute leben ca. 6000 Chipewyan in Kanada,26 die fast alle noch ihre Stammessprache beherrschen. Es ist eine der offiziellen Sprachen in den Northwest Territories.

Für die Indianer in den nördlichen (borealen) Wäldern bedeutete die Erschließung des Gebiets durch den Luftverkehr in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts das Ende ihrer Isolation. Dies zog veränderte Wirtschaftsbedingungen nach sich, die nicht allen Stammesmitgliedern zum Vorteil gereichten.

Dene-tha´/Dene-thah/Dene Thaa (Dene Chaa, Deh Gah Gut´ine, Slave/Slavey, Acha´otinne – „Waldleute“)
Ihre Jagdgebiete lagen ursprünglich westlich des Lake Athabasca; im 18. Jahrhundert vertrieben die mit Gewehren ausgerüsteten Cree die verächtlich als „Awokanak“ (Slave, Slavey) bezeichneten Dene Thaa von dort nach Westen und Norden. Ende des 19. Jahrhunderts lag das Gebiet der Dene Thaa westlich des Great Slave Lake, entlang des Mackenzie sowie am oberen Hay River. Ihr Hauptnahrungsmittel war Fisch, da-neben waren sie erfahrende Elchjäger, machten Jagd auf alle möglichen anderen Tiere und sammelten Beeren. Im Gegensatz zu den Chipewyan zogen sie jedoch nie zur Karibujagd in die offene Tundra – weshalb man sie auch als „Waldleute“ bezeichnete.

Wie andere Waldindianer auch, wanderten die Dene Thaa in kleinen Familienverbänden nach einem festen Zyklus in ihrem Gebiet umher. Als Behausung diente ihnen ein kegelförmiges Stangenzelt, das mit Häuten und Rindenstücken abgedeckt war. Einmal im Jahr versammelten sich die Familienverbände zu größeren Trupps, nach ihrer geographischen Verbreitung als „Horn Mountain“, „Hay River“, „Peace River“, „Forks“, „Rapids“ und „Mackenzie River“ bezeichnet (die Trupps vom Hay River z. B. fischten gemeinsam am Südufer des Great Slave Lake). Bei diesen Versammlungen wählten sie bei Bedarf auch einen Kriegshäuptling. Eine wichtige Rolle spielten die Medizinmänner, die Krankheiten heilen und Jagdwild beschwören konnten. Nachbarstämme fürchteten sich vor den übernatürlichen Kräften dieser Männer. Die Dene Thaa liebten es, Geschichten zu erzählten, Ursprungsmythen und Lebensunterweisungen für die Kinder.

Die ersten direkten Kontakte mit den Weißen erfolgten 1778, als der Pelz-handelsposten am Lake Athabasca entstand. Weitere Handelsposten folgten entlang des Mackenzie-Flusssystems in ihrem Gebiet. Die Möglichkeit, gegen Pelze Gewehre, Metallwerkzeuge und andere Güter des weißen Mannes zu erhalten, veränderte die Lebensweise der Waldleute – sie gaben ihre zyklischen Jahreswanderungen auf, lebten bei den Handelsposten und widmeten sich der Pelztierjagd.

Der erste Missionar, ein Anglikaner, kam 1865 in das Mackenziegebiet, weitere folgten und bald befanden sich bei fast allen Handelsposten kleine Missionsstationen (die Kirche in Fort Providence war ein Wahrzeichen am Fluss).

Obwohl die Dene Thaa im Allgemeinen als friedfertig beschrieben wurden, gab es Kämpfe mit den Dogrib und den Cree. Auch trieben sie die Nahane nach Westen in die Berge und sie zerstörten einen Handelsposten bei Fort Nelson.

Den Vertrag Nr. 8 von 1899 (mit den Woodland Cree) unterzeichneten die Dene Thaa Trupps vom oberen Hay River im Jahr darauf in Fort Vermilion und, als die Regierungskommission nach Fort Resolution weitergezogen war, schlossen sich dort Trupps vom unteren Hay River an. Die nördlichen Dene Thaa von Fort Providence, Fort Simpson, Wrigley und Fort Norman unterzeichneten 1921 den Vertrag Nr. 11, weitere Dene Thaa von Fort Liard taten es ihnen 1922 gleich.

Zur Zeit der ersten Kontakte mit den Weißen hatte man die Stammespopulation auf 1250 Personen geschätzt. Danach jedoch hatten Tuberkulose und Grippewellen die Population auf 800 Personen reduzierten. Danach hatte sich die Population der Dene Thaa von diesem Bevölkerungsschwund wieder erholt und 1922 waren insgesamt 1323 Dene Thaa in das Vertragssystem eingebunden.

Durch eine verbesserte medizinische Versorgung nach dem zweiten Weltkrieg stieg die Stammesbevölkerung bis 1983 auf 4081 Personen an,3 von denen rund 260 Dene Thaa in British Columbia1 und 2447 in Alberta3 registriert waren.

1998 sprachen 2620 Personen das „Dene“ (Statistics Canada). Es ist eine der offiziellen Sprachen in den Northwest Territories.

Dene Thaa mit Enkel bei Hay River/Northwest Territories (2005).
 
Sahtu bzw. North Slavey ist heute die Sammelbezeichnung für die
 
Kwachodinne (Hare, Hasen-Indianer) im Gebiet nordwestlich des Great Bear Lake, die
 
Sahtu´ tine (Satudene, Bear Lake People, Cocheaux) am Great Bear Lake sowie die
 
Tsethaottine (Mountain Indians) in den Mackenzie Mountains, die ursprünglich als eigene Stämme bekannt waren.

1998 gab es nur noch 290 Personen, die von insgesamt ca. 500 North Slavey einen der Dialekte „Hare“, „Bear Lake“ bzw. „Mountain“ sprachen.4 Einer anderen Quelle nach soll es gegenwärtig 1600 Sahtu geben.5

Schaubilder im Twin Falls Gorge Territorial Park/Northwest Territories, rechts bearbeitet (2005).

Die Dene Thaa betrachten sich als Teil der „Dene Nation“, die aus North Slavey, South Slavey, Dogrib, Chipewyan und Gwich´in (Kutchin) besteht und deren Heimat Denendéé/Denendeh – das Land der Leute – ist.

Dunne-za (Tsattine – „Leute zwischen den Bibern“, Beaver, Biber-Indianer)
Vor 1800 erstreckte sich das Gebiet der Beaver wohl von der heutigen Grenze zwischen Alberta und Saskatchewan im Osten und der Stadt Peace River im Westen, dem Peace River im Norden und dem Lesser Slave Lake im Süden. Als die Cree nach Westen vorstießen, drängten sie die Beaver nach Westen und Süden ab. Die ersten Pelzhändler trafen die Biber-Indianer am Peace River von Fort Vermilion bis zu den Rockies an. Ursprünglich aus fünf Trupps bestehend, reduzierte Seuchen sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf drei Trupps. Einer jagte im heutigen British Columbia im Gebiet von Fort St. John und nordwärts bis zum Liard River, ein zweiter trieb Handel in Fort Dunvegan am Peace River in Alberta und jagte nördlich davon bis zum Hay River und der dritte Trupp jagte weiter im Osten Albertas im Gebiet von Fort Vermilion.

Ihre ersten Schusswaffen hatten die Beaver 1782 von Pelzhändlern erhalten und sich damit im Osten erfolgreich gegen die Invasion der Cree verteidigt und im Westen die schlechter bewaffneten Sekani vom oberen Peace River in die Berge zurückgedrängt. Durch einen Friedensschluss zwischen Beaver und Cree am „Tsades“ (Fluss der Biber) erhielt der Fluss seinen heutigen Namen „Peace River“ (Unijigah), der sich bis 1892, als der schottische Entdeckungsreisende und Fellhändler Alexander Mackenzie den Fluss bis zum Oberlauf bereiste, allgemein durchgesetzt hatte.

Für den Handel mit den Dene Thaa und Beaver entstanden eine Reihe von Handelsposten entlang des Peace River, der am weitesten flussaufwärts gelegene Posten war das 1805 für den Handel mit Beaver und Sekani errichtete Fort St. John. 1823 griffen die Beaver den Posten an, brannten ihn ab und töteten den Haupthändler sowie vier seiner Gehilfen. Über die Gründe für diesen Überfall sind mehrere Versionen im Umlauf. Eine Version besagt, dass die Pelzhändler das Fort weiter stromaufwärts in das Gebiet der Sekani verlegen wollten, wodurch Letztere leichter an Gewehre gelangen konnten. Einer anderen Version nach hatten sich die Fellhändler Freiheiten gegenüber den Frauen der Beaver herausgenommen, was, im Gegensatz zu anderen Stämmen, bei den Beaver ein striktes Tabu war. In der dritten überlieferten Version hatte der Fellhändler einen Indianerjungen vergiftet.

Bevorzugtes Jagdtier der Beaver war der Elch, sie machten aber auch Jagd auf Waldbüffel, Karibu und Bären sowie kleinere Tiere. Fische waren in der Ernährung der Beaver von geringerer Bedeutung als bei den Stämmen weiter im Norden. Beeren jeder Art, Wurzeln und der Bast bestimmter Bäume ergänzten ihre Nahrung. Auch bei den Beaver spielten Medizinmänner als Heiler und Seher eine bedeutende Rolle. Zweimal im Jahr versammelte ein Seher seine Leute zum Feuertanz, eine Zeremonie, die sie von den Cree übernommen haben mochten.

Der Zug von Goldgräbern auf dem Weg nach Klondike durch Indianergebiete führte zu erheblicher Unruhe unter den Stämmen. 1899 handelte die Regierung daher Verträge mit den Stämmen in Nordalberta und Nordost British Columbia aus. Die Regierungskommission reiste vom Lesser Slave Lake (Vertrag mit Cree) nach Fort St. John, wo jedoch die Beaver bereits zu ihrer jährlichen Jagd aufgebrochen waren. Später unterzeichnete ein Trupp der Beaver den Vertrag Nr. 8 in Dunvegan, ein anderer Trupp tat es in Peace River Landing und noch ein weiterer in Fort Vermilion. Die Beaver von Fort St. John unterzeichneten den Vertrag erst im Jahr 1900.

Der Vertrag veränderte die Lebensweise der Beaver nicht unmittelbar. Erst Jahre später wählten sie ihre Reservate aus uns ließen sich darin nieder (die Beaver von Fort Vermilion z. B. 1913). In mehreren Reservaten im Nordosten von British Columbia lebt eine aus Beaver, Dene Thaa und Sekani gemischte Bevölkerung; im Reservat am Old Wives Lake bei Peace River Landing leben Cree und Beaver.

Durch Seuchen und Krankheiten hatte auch die Population der Beaver ständig abgenommen. 1790 auf etwa 1000 Personen geschätzt, waren es 1889 noch etwa 800, 1906 noch 700, 1924 600 und 1963 nur noch 560 Personen. Danach stieg die Population bis 1993 wieder auf 1000 Personen an,5 von denen 90 % in British Columbia leben.1 Weniger als die Hälfte der Beaver verwendet noch ihre alte Sprache.26

Gwich´in (Qwich´in, Kutchin, Loucheux, Tukudh)
Ca. 5000 Personen in Kanada, vom Unterlauf des Mackenzie bis zum Yukon Territory sowie im nördlichen British Columbia und ca. 1100 Personen im Küstengebirge in Alaka.5 1860 hatte der anglikanische Missionar Robert McDonald eine Schrift für sie entwickelt, die jedoch heute nur noch ältere Leute lesen können.
 

Han Huch´inn

Das traditionelle Verbreitungsgebiet der „Han Huch´inn“ (Leute, die am Fluss leben) begann ca. 20 km südlich der heutigen Stadt Dawson im Yukon Territory und reichte entlang des Yukon River und seiner Nebenflüsse bis etwa 50 km südlich des Polarkreises in Alaska.

Die Wirtschaft der Han basierte auf einem von der Natur bestimmten Zyklus. Im Frühjahr zogen kleinere Familienverbände in Lager entlang des Yukon River, jagten Karibu und Elche und fischten Hechte sowie Whitefish (Sammelbezeichnung für verschiedene Fischarten mit weißem Fleisch). Im Sommer vereinten sich diese Familiengruppen mit anderen zum gemeinsamen Lachsfang. Sie räucherten und trockneten die Lachse als Vorrat. Gleichzeitig boten diese Zusammenkünfte auch Gelegenheiten, Feste abzuhalten und sich mit anderen Trupps zu treffen. Zu Beginn des Herbstes verließen sie temporär die Lager am Fluss, um zu jagen und die Umfassungen für die Kaributreibjagden zu reparieren. Im Winter lösten sich die Gruppen zur Jagd auf Karibu und Elche in kleinere Familienverbände auf.

Die Gesellschaft der Han bestand aus drei matrilinearen und exogamen Klans, die soziale und zeremonielle Aufgaben erfüllten. Es gab keine formelle Stammesorganisation und Häuptlinge waren Anführer auf Grund ihrer Fähigkeiten und Erfolge. Bevorzugte Heiratsverbindungen waren Kreuzvetternheiraten. Der jung verheiratete Mann verbrachte die ersten Ehejahre in der Familie seiner Frau, danach bezog er eine eigene Hütte. Wenn es sein Wohlstand erlaubte, konnte er später weitere Frauen ehelichen (Polygamie). Es kam aber auch vor, dass eine Frau mit mehreren Männern verheiratet war (Polyandrie).

Durch Handelsposten der Hudson´s Bay Company in Fort Yukon (im Kutchin-Gebiet) 1847 und der Amerikaner 1885 in Fort Eagle in Alaska gelangten die Han an Geräte, Werkzeuge, Kleidung und auch Nahrungsmitteln der Weißen. Goldfunde in Klondike (Ende 1886 am Fortymile River) brachten Zehntausende von weißen Goldsuchern in das Gebiet der Han. Sie veränderten innerhalb von wenigen Jahren den Lebensstil der wenigen hundert Han vollständig.

Heute leben einige hundert weitgehend kulturell assimilierte Han in Dawson City und im benachbarten Moosehead sowie in Eagle/Alaska. Von ihnen beherrschen nur noch etwa 10 % die alte Sprache,12 die sich von der Sprache benachbarter Stämme der Athapasken-Sprachfamilie unterscheidet.

In Dawson City unterhalten die dortigen Han die „Han Fisheries“ (eine Lachsverarbeitungsfabrik) sowie andere Unternehmen.

Nahane (Nahanni)
Unter diesem Oberbegriff fasst man drei sprachlich eng miteinander verwandte Stämme zusammen, welche im Norden von British Columbia und im Yukon Territory leben. Ein weiterer Stamm, der seine Jagdgebiete bis an den Mackenzie in den Northwest Territories hatte, ist in die North Slavey aufgegangen. Heute sprechen noch etwa 2600 Personen einen Nahane-Dialekt.4 Ende des 18. Jahrhunderts hatten die Dene Thaa die Nahane nach Westen in die Berge gedrängt. Die drei Stämme der Nahane sind die
 
Kaska, deren traditionelles Verbreitungsgebiet im Yukon Territory liegt. Eine ihrer Siedlungen am Dease River bei Good Hope Lake im nordöstlichen British Columbia mit ca. 200 Personen1 wird vom Yukon Territory aus verwaltet. Insgesamt umfasst der Stamm 2000 Personen.5 Weiterhin die
Tagish mit 600 Personen im südlichen Yukon Territory und in Alaska,5 und die
 

Takutine am Taku River an der Grenze zwischen dem Yukon Territory und Südalaska. Sie hatten viele Kulturzüge – u. a. die matrilinearen Klanstrukturen, das Potlatschfest sowie auch lexikalische Begriffe – von den benachbarten Tlingit an der Küste übernommen, weshalb man sie gelegentlich auch für Inland-Tlingit hielt.

 
Tahltan
Mitunter werden auch die weiter südlich in British Columbia lebenden Tahltan als Teil der Nahane angesehen. In Reservaten bei Telegraph Creek am Skitine River im Nordwesten von British Columbia leben ca. 1800 Tahltan, darunter 500 Personen des Unterstammes Iskut.1
 
Tli Cho (Thlingchadine, Dogrib)
Zu den Dogrib zwischen dem Great Slave Lake und dem Great Bear Lake in den Northwest Territories gehören ca. 3200 Personen,26 von denen allein in Dog Rib Rae 2586 registriert sind. Die Sprache der Dogrib beherrschen noch 2085 Personen (Statistics Canada). Es ist eine der offiziellen Sprachen in den Northwest Territories. 2003 sprach die Regierung ein 39.000 qkm großes Gebiet, in welchem auch die Diamantenminen Kanadas liegen, vertraglich den Dogrib zu. Weiterhin verpflichtete sich Kanada, ihnen 152 Mio. Can$ in den nächsten 15 Jahren als Abfindung zu zahlen und ihnen jährlich 3,5 Mio. Can$ zur Verfügung zu stellen. 
 
Tlingit
(umstrittene Zuordnung zur Athapasken-Sprachfamilie, häufig als isolierte Sprach-gruppe bzw. als eigener Zweig der Athapasken-Familie angesehen). Ihr traditionelles Verbreitungsgebiet erstreckte sich vom südlichen Yukon Territory bis an die Südostküste von Alaska. Im Nordwesten von British Columbia lebt bei Atlin ein Trupp der Taku River- bzw. Inland-Tlingit (vgl. Nahane – Takutine). Insgesamt sind etwa 1000 Tlingit in Kanada5 sowie 13.295 in den USA anzutreffen,10 von denen noch etwa zwei Drittel ihre ursprüngliche Sprache beherrschen.26

Wegen der Matrilinearität bei der Vererbung von Ämtern konnte es vorkommen, das ein einflussreiches aber tochterloses Oberhaupt einer Lineage die linke Hälfte eines Sohnes zur Tochter erklärte, um Titel und Vorrechte weitergeben zu können.

Tsek´ehe (Sekani)
Ende des 18. Jahrhunderts hatten die Beaver den Stamm vom oberen Peace River in die Berge im Nordosten von British Columbia zurückgedrängt. Heute gibt es etwa 1500 Sekani in mehreren Reservaten bei Fort St. John, Fort Nelson und Fort Ware im Nordosten von British Columbia.1 Einige dieser Reservate teilen sie sich mit Beaver und Dene Thaa (Slavey).
 

Tsilhqot´in/Tsilkotin (Chilcotin)

In Kanada leben ca. 4350 Chilcotin innerhalb und außerhalb mehrerer kleinerer Reservaten zwischen Williams Lake und Alexis Creek im inneren Plateau von British Columbia. Nur etwa ein Fünftel von ihnen beherrscht noch die Muttersprache des Stammes.16 Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasste das gesamte Entwässerungsgebiet des Chilcotin River vom Fraser River bis zu den Küstenbergen, ein Gebiet, das noch heute als „the Chilcotin“ bekannt ist.

„Tsilhqot´in“ bedeutet „Leute vom Fluss“; ob des „roten (ockerroten)“12  oder „blauen“17  Flusses, darüber herrscht Uneinigkeit in den Quellen. Zu den mit ihnen sprachverwandten Carrier im Norden unterhielten und unterhalten die Chilcotin gute Beziehungen. Über einen Pass der Küstenberge konnten die Chilcotin das Gebiet der Bella Coola (Cost Salish) im Westen erreichen; wenig Kontakte scheinen sie mit ihren südlichen Nachbarn, den Lillooet (Inner Salish) gehabt zu haben, während das Verhältnis zu den Shushwap (Inner Salish) östlich des Fraser River durch häufige Kriegszüge der Chilcotin über den Fluss hinweg geprägt worden war.

1864 wehrte sich der Stamm im „Chilcotin Krieg“ gegen den Bau einer Straße von Bella Coola zu den Goldfeldern im Westen, die, von privaten Geschäftsleuten finanziert, durch das Chilcotin-Gebiet führen sollte. Von Ende April bis Ende Mai töteten Krieger der Chilcotin 19 Straßenarbeiter. Im Oktober 1864 verhängte ein Gericht die Todesstrafe gegen drei und im Juli 1865 ein weiteres Gericht die Todesstrafe gegen weitere zwei mutmaßliche Täter. Die Hinrichtungen hatten ein Nachspiel: 1993 entschuldigte sich der Oberstaatsanwalt von British Columbia, dass die Gefangenen Chilcotin damals nicht als Kriegsgefangene behandelt worden waren.

1989 schlossen sich mehrere Gruppen zum „Tsilhqot´in National Government“, einem Stammesrat der Chilcotin, zusammen. Dazu gehörten die:12

´Edinlagh (Alexandria Band, bei Quesnel),

Tl´etinqox (Anaham Band),

Tsi Del Del (Alexis Creek Band),

Xeni Gwetin (Nemiah Band, Nemiah Valley),

Yunesit´in (Stone Band, Hancville)

Die als sechstes Gründungsmitglied des Stammesrates aufgeführten

Tl´esqox (Toosey Band)

scheinen nicht mehr zum Rat zu gehören. 2014 werden sie als Mitglied des Carrierchilkotin Tribal Council aufgeführt. In diesem Rat sind auch die zusammen mit Carrier am Anahim Lake lebenden

Ulkutchot´en vertreten.19

Seit 1983 schwelte ein Streit um Holzeinschlagrechte, welche die Regierung in einem Gebiet vergeben hatte, das die Xeni Gwetin beanspruchten. Dieser seit 1990 bei Gericht anhängige Streit der Xeni Gwetin im Namen aller Chilcotin gegen die Regierung von British Columbia endete am 26. Juni 2014 vor dem Obersten Gerichtshof Kanadas in Ottawa mit einem Sieg der Kläger: Sie bekamen das umstrittene Gebiet, 1750 qkm, zugesprochen. Wichtig für künftige Prozesse der First Nations um Landrechte war bei dem Urteilsspruch, dass sich die Landrechte der Natives auf alle Gebiete beziehen, die sie regelmäßig zur Jagd, zum Fischfang oder für andere Zwecke nutzten sowie über solche Gebiete, die sie tatsächlich zur Zeit der Ankunft von Europäern kontrolliert hatten.18

Tsuu-t´ina/Tsuu T´ina (Sarcee/Sarsee/Sarsi)
Die Sarcee leiten ihren Name von „Tsotli´ina“ (Erdleute) ab – weil der Stamm einst so zahlreich wie Erd- oder Sandkörner gewesen sei. Bei ihrem Vordringen nach Westen hatten die Cree lange vor Ankunft der Weißen im späten 18. Jahrhundert einen Keil zwischen die Trupps der Beaver getrieben und dadurch die Sarcee von ihren nördlichen Vettern getrennt. Ihren Ursprung erklären die Sarcee damit, dass sich das Eis spaltete, als der Stamm einst einen See (oder Fluss) überquerte. Ein Teil des Stammes kehrte daraufhin nach Norden zurück, während der andere Teil, der sich bereits auf der anderen Seite der Spalte befunden hatte, weiter wanderte, bis er in die Prärie kam. Pelzhändler, die 1772/1773 das Gebiet der Sarcee erreichten, beschrieben sie als einen eigenen, besonders kriegerischen Stamm der „Reiterindianer“.

Obwohl als Prärieindianer eingestuft, verbrachten die Sarcee einen erheblichen Teil des Jahres im Wald- und Hügelland am Rande der Prärie. Im späten 18. Jahrhundert lebte der Stamm nahe der Rocky Mountains an den Quellflüssen des North Saskatchewan; bis zum ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts war er von dort nach Süden bis zu den Beaver Hills unmittelbar südöstlich von Edmonton gezogen.

Eng liiert mit der Blackfoot Confederacy und unter den Black­footstämmen speziell mit den Blood, drangen die Sarcee mit den Black­footstämmen immer weiter in die Prärie vor. Mitte des 19. Jahrhunderts fand man die Sarcee für gewöhnlich am Red Deer und am Bow River im heutigen Alberta.

Der Stamm litt erheblich unter Pockenepidemien. Eine Epidemie in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts dezimierte die Stammesbevölkerung auf 240 Personen. Bis 1836 stieg sie wieder auf 800 Personen an; eine weitere Pockenepidemie 1837 überlebten 250 Sarcee und wiederum eine Pockenepidemie ließ 1869 von 420 Sarcee nur noch 100 übrig. 1890 bezogen 280 Sarcee Vertragsgeld von der Regierung. 1924 war die Stammesbevölkerung erneut auf 160 Personen gesunken; in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts waren es dagegen wieder 1215 Personen.3

Die kanadische Regierung hatte im Vertrag Nr. 7 von 1877 für die Sarcee einen vier Meilen breiten Streifen nördlich von Blackfood Crossing im Siksika-Reservat am Bow River vorgesehen, ein trockenes, für Landwirtschaft völlig ungeeignetes Stück des Reservats. 1878 fand der Stamm jedoch noch genug Büffel zum Überleben. Im Jahr darauf überredet, ins Reservat zu ziehen, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Siksika und die Sarcee zogen wieder ab. Viele folgten noch den letzten Büffelherden nach Montana. Nachdem auch die letzten Büffel ausgerottet waren, waren die Sarcee von den Regierungsrationen abhängig und mussten ins Reservat zurück. Erneut verließen sie es wieder und die Mounted Police zwang sie zurück ins Reservat. Bull Head, der Häuptling der Sarcee bis zu seinem Tod 1911, bestand jedoch auf einem eigenen Reservat für seinen Stamm am Fish Creek am westlichen Außenrand von Calgary und wandte sich in einer Petition direkt an die Regierung in Ottawa. 1883 gab die Regierung nach und gab den Sarcee 108 Quadratmeilen (279 qkm) Land am Elbow River westlich von Calgary, das von der Prärie im Osten bis zum Waldland im Westen reichte. Im Reservat wendeten sich die Sarcee der Landwirtschaft und der Rinderzucht zu. Die Nähe zu Calgary verschaffte ihnen zusätzliche Verdienstmöglichkeiten in der Stadt, lieferte sie aber auch illegalen Whiskyhändlern und auch Zuhältern, die Indianermädchen suchten, aus. Obwohl die Mounted Police und die Häuptlinge dagegen vorgingen, demoralisierten Whiskey und Prostitution die Stammesbevölkerung.

Im frühen 20. Jahrhundert waren Krankheiten, besonders Tuberkulose und Granulose (Virusinfektion der Bindehaut), das größte Problem der Sarcee. In den zwanziger Jahren des Jahrhunderts ernannte die Bundesregierung einen Mediziner zum Agenten des Reservats, der das gesamte Reservat in ein „Sanatorium“ umwandelte und mit seinem Gesundheitsprogramm gute Erfolge erzielte.

In den sechziger Jahren zwang man die Sarcee, ihre Kinder in die Schulen von Calgary zu schicken; in den neunziger Jahren eröffnete man jedoch eine Grundschule im Reservat, der eine Oberschule folgte. Anglikanische Missionare, die 1886 ins Reservat gekommen waren, hatten geklagt, dass die Sarcee wenig Bereitschaft zeigten, ihre alten Glaubensvorstellungen aufzugeben.

Durch die Nähe des Reservats zu Calgary hat es nicht an Versuchen gefehlt, die Sarcee zu Landverkäufen zu bewegen. Sie weigerten sich jedoch beharrlich, lediglich 1931 verkauften sie 593,5 Acres (240,17 ha) für das Glenmore Wasserreservoir. Auf der Stampede in Calgary gehören die Sarcee zu den Vorzeigeindianern.

Tutchone
Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckte sich im heutigen Yukon Territory von den Elias Mountains im Südwesten bis zu den Selwyn Mountains im Nordosten, wobei der Yukon River die nördlichen von den südlichen Tutchone trennte. Sie lebten von der Jagd auf Karibu, Elche, Wildschafe sowie auf Murmeltiere, Hasen, Erdhörnchen und Vögel und vom Fischen. Nur einige Trupps hatten Zugang zu Flüssen mit Lachszügen. Ihre Behausungen bestanden aus kuppelförmigen Fellzelten bzw. aus Reisighütten, bei denen Reisigbündel an der Spitze gegeneinander gelehnt waren. Da sie vor den Kontakten mit dem weißen Mann keine Hundeschlitten kannten, bestand ihre Habe aus leicht transportierbaren oder an Ort und Stelle angefertigten Sachen. Im 19. Jahrhundert gingen sie vermehrt der winterlichen Pelztierjagd nach.

Die matrilinearen Sippen der Tutchone führten ihre Abstammung jeweils auf eine der beiden exogamen Stammeshälften Krähe oder Wolf zurück. Es gab keine formale Stammesstruktur; die Gefolgschaft eines Häuptlings richtete sich nach seinen Fähigkeiten und Erfolgen.

Unter dem Einfluss des Fellhandels mit den Tlingit entwickelten die südlichen Tutchone im 19. Jahrhundert gewisse Sonderzüge. So waren bei ihnen u. a. auch Plankenhäuser verbreitet und durch Zwischenheiraten mit den Tlingit kam es zu Angliederungen von Teilen der Tutchone an Klane der Tlingit.

Der Klondike Gold Rush in den späten neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts und schließlich der Bau des Alaska Highway 1943 veränderte die Lebensweise der Tutchone. Sie gingen dazu über, ihren Lebensunterhalt als temporäre Lohnarbeiter zu bestreiten; Fischfang, Jagd und Fallenstellerei lieferte nur noch ein Zubrot.

Erst 1993 kam ein Vertrag der kanadischen Bundesregierung mit den Tutchone zustande, der die Landansprüche des Stammes regelte. Führer der Tutchone waren 1995 aktiv an der Gründung des „Council for Yukon First Nations“ beteiligt, dessen Ziel es ist, eine Regierung der First Nations zu gründen, die mit der Verwaltung des Territoriums und der Bundesregierung kooperiert. 1995 ernannte die Bundesregierung einen Tutchone zum Kommissar im Yukon Territory.

Nördlichen und südlichen Tutchone sprechen unterschiedliche Dialekte. In jüngerer Zeit hat das „Yukon Native Language Centre“ eine eigene Rechtschreibung für das Tutchone erarbeitet. Seitdem gibt es Publikationen mit alten Liedern und Erzählungen der Tutchone.

Die heutige Verbreitung der nördlichen Tutchone liegt um Mayo, Pelly Crossing und Carmacks, ein kleiner Trupp lebt am White River (westlicher Zufluss des Yukon River). Die südlichen Tutchone sind um Whitehorse, Haines Junction und Borwash Landing anzutreffen. Die Anzahl der Tutchone beträgt mehrere tausend Personen. Sie bilden die größte Gruppe unter den 7200 Bewohnern indianischer Herkunft im Yukon Territory.12

 
Irokesen

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